Lexikon der Filmbegriffe

Sainete

von span.: sainete = Leckerbissen; manchmal auch: género chico

Wie die Farce bezeichnet der Sainete kurze Einakter mit überzeichnender Typisierung, kollektivem Personal und stark dialogischer Handlungsführung. Er präsentiert Sittengemälde aus dem turbulenten Madrider Volksleben mit einem Akzent auf Situations- und Wortkomik. Das Bühnengeschehen der Sainetes ist eine burleske oder satirische Momentaufnahme aus dem Volksleben Madrids, ohne einen echten Handlungsrahmen, ein Konversationsstück mit volkstümlichen, realistischen Charakteren. Spielformen des Sainete finden sich in fast allen spanischsprachigen Ländern; das bis heute beliebte Genre ist auch im Film vielfach zur Anwendung gekommen. Zu den Beispielen gehören der in der argentinischen Pampas spielende Zirkusfilm La Cabalgata del Circo (Argentinien 1945, Eduardo Boneo, Mario Soffici), die Provinzkomödie Calle Mayor (Spanien/Frankreich 1956, Juan Antonio Bardem) oder die bittere Mietshauskomödie La Comunidad (Spanien 2000, Álex de la Iglesia).

Literatur: Pohl, Burkhard: Unter den Dächern von Madrid: Alex de la Iglesias schwarze Großstadtkomödie Allein unter Nachbarn – La Comunidad. In: Die Filmkomödie der Gegenwart. Hrsg. v. Jörn Glasenapp u. Claudia Lillge. München: Fink 2008, S. 160-179. – Siebenmann, Gustav [...]: Sainete. In: Literaturwissenschaftliches Wörterbuch für Romanisten. Hrsg. v. Rainer Hess, Gustav Siebenmann u. Tilbert Stegmann. Tübingen/Basel: Francke 2003, S. 298-299. – Wilke, Nicola: Das ‚sainete madrileño‘ der 80er Jahre. Aktualisierungen des traditionsreichen Volksstückes im spanischen Gegenwartstheater. Phil. Diss., Tübingen 1999.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: JH W


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