Lexikon der Filmbegriffe

voice dubbing: Gesangsstimmen

dt.: Stimmensynchronisation

Dass die Stimme eines Stars in gesungenen Passagen durch die Synchronstimme einer anderen Frau ersetzt wurde, ist in der Praxis Hollywoods sehr häufig vorgekommen. So wurden die diversen Lieder Rita Hayworths in dem Musikfilm Pal Joey (USA 1957, George Sidney) wie schon in Affair in Trinidad (USA 1952, Vincent Sherman) oder Miss Sadie Thompson (USA 1953, Curtis Bernhardt) von der Sängerin  Jo Ann Greer gesungen. Die Sopranistin Marni Nixon lieh Stars wie  Deborah Kerr (etwa in The King and I, USA 1956, Walter Lang), Natalie Wood (z.B. in West Side Story, USA 1961, Jerome Robbins, Robert Wise) und Audrey Hepburn (My Fair Lady, USA 1964, George Cukor) in Gesangsnummern ihre Stimme und übernahm auch die hohen Tonlagen in den Songs von Marilyn Monroe in Gentlemen Prefer Blondes (USA 1953, Billy Wilder). Diese Praxis des voice dubbing resp. des voice doubling ist in Singin' in the Rain (USA 1952, Stanley Donen, Gene Kelly) Kernstück der dramatischen Konstellation gewesen – hier als Kritik an der Illusionsmaschinerie Hollywoods formuliert. Die tatsächliche Praxis des voice casting sah dagegen durchaus anders aus, die Stimmen blieben im Hintergrund, wurden meist nicht einmal in den Credits genannt.
Insbesondere traf das natürlich auf Opern-Adaptationen zu. In Otto Premingers Carmen Jones (USA 1954) etwa – die durch die konsequent schwarze Besetzung als Provokation und Durchbruch im Hollywood-Umgang mit der Hautfarbe der Darsteller galt – wurden die Gesangsparts von Dorothy Dandridge, die die Carmen Jones spielte, von Marilyn Horne gesungen; und auch die Lieder von Harry Belafonte, der der männliche Gegenpart war, hatte in den Musikauftritten die Stimme von LeVern Hutcherson.

Literatur: Anderson, Tim: Which Voice Best Becomes the Property: Tie-Ups, Intertexts, and Versioning in the Production of My Fair Lady. In: Spectator 17,2 , Spring-Summer 1997, S. 74-91. – Seifert, Marsha: Image/Music/Voice: Song Dubbing in Hollywood Musicals. In: Journal of Communication 45,2, Spring 1995, S. 44-64. – Smith, Jeff: Black Faces, White Voices: The Politics of Dubbing in Carmen Jones. In: The Velvet Light Trap, 51, 2003, S. 29-42.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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