Lexikon der Filmbegriffe

Eady Levy

wörtlich: Eady-Steuer

Das Eady Levy war eine Abgabe aus den Kinoeinnahmen, die dazu dienen sollte, die englische Filmindustrie zu unterstützen. Sie erhielt ihren Namen nach dem Finanzminister Sir Wilfrid Eady, der sie 1957 durchsetzte. Schon 1949 hatte der damalige Handelsminister Harold Wilson eine derartige Förderung mittels einer Abgaben-Umlage vorgeschlagen, die am 9.9.1950 auch in Gang gebracht wurde. Allerdings wurde sie erst mit dem Cinematograph Film Act 1957 in Gesetzesrang erhoben; zugleich wurde die Vergnügungssteuer auf Kinoveranstaltungen reduziert. Die Umlage wurde von der British Film Fund Agency an Produktionen gezahlt, die an der Kinokasse erfolgreich gewesen waren – ohne allerdings mit der Auflage verbunden zu werden, die Förderung in neue Projekte zu investieren. Das Eady Levy ist wahrscheinlich ausschlaggebend dafür gewesen, dass in den 1960ern die englische Filmindustrie sehr erfolgreich mit Hollywood konkurrieren konnte – nicht allein wegen der James-Bond-Serie, sondern auch, weil die Produktionsbedingungen in England besser waren als in den USA; so entstanden eine ganze Reihe von Filmen von US-Regisseuren wie Sidney Lumet, Stanley Donen, Richard Lester (mit den Beatles-Filmen) und Stanley Kubrick (Lolita, 1962, Dr. Strangelove, 1964, 2001: A Space Odyssey, 1968, A Clockwork Orange, 1971), aber auch von europäischen Regisseuren wie Roman Polanski, François Truffaut und Jean-Luc Godard. Aus den Mitteln des Eady Levy wurde außerdem die National Film and Television School finanziert. Weil die Förderung strikt an Kinoumsätze gebunden war, wurden in den 1970ern auch eine ganze Reihe von Pornofilm-Produktionen gefördert, was von Seiten der Konservativen Partei zu scharfer Kritik Anlass gab. Weil zudem Fördergelder in immer stärkerem Maße an die Verleiher, nicht mehr an die eigentlichen Produzenten flossen, wurde das Gesetz 1985 von der Thatcher-Regierung außer Kraft gesetzt. 


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2011


Verfasser: HHM


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