Lexikon der Filmbegriffe

Embrafilme

Kurzform von: Empresa Brasileira de Filmes

Während der Militärdiktatur wurde am 12.9.1969 die Empresa Brasileira de Filmes (oder kurz: Embrafilme) gegründet, die nicht nur die brasilianischen Filme national und international bewerben und mit Vertriebhilfen unterstützen, sondern die zudem auch die brasilianische Filmindustrie kontrollieren sollte. Paradoxerweise ließen sich vor allem Regisseure der politischen Linken auf die Angebote der Embrafilme ein. Zunächst arbeitete Embrafilme höchst erfolgreich. Mitte der 1970er hatten die brasilianischen Filme einen 40%-Anteil am heimischen Markt, als die US-Amerikaner intervenierten, die ihre Marktanteile sichern wollten. Tatsächlich konnten sie Steuerermäßigungen und Einfuhrerleichterungen für ihre Produkte durchsetzen. Um die eigenen Marktchancen zu erhalten, setzten viele brasilianische Produktionsfirmen auf oft billig produzierte Sexfilme, die das Publikum aber nur kurze Zeit binden konnten. Als in den 1980ern das Land in eine umfassende Wirtschaftskrise geriet und die Inflationsrate in astronomische Höhen von mehreren 100% pro Jahr kletterte, da zudem eine ganze Reihe von Kosten traditionellerweise in US-$ abgerechnet wurden, wurde eine Budgetierung eigener Filmproduktionen fast unmöglich. Als Brasilien 1985 zur Demokratie zurückkehrte, geriet die Embrafilme als Gründung der Militärregierung, die zudem als korrupt galt, unter erheblichen Druck. Die Firma wurde am 15.3.1990 aufgelöst. In der Hochphase der Tätigkeit hatte Embrafilme annähernd 30% der brasilianischen Filme produziert (insgesamt 156 Filme), war an zahlreichen Koproduktionen beteiligt und hatte den Marktanteil verdoppelt.

Literatur: Hawken, Janet / Litewski, Chaim: Exploitation for export. In: Screen 24,2, 1983, S. 66-70. – Johnson, Randal: The film industry in Brazil. Culture and the state. Pittsburgh, Penn.: University of Pittsburg Press 1987, bes. S. 137-197. – Johnson, Randal: The Nova Republica and the crisis in Brazilian cinema. In: Latin American Research Review 24,1, 1989, S. 124-139.


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2011


Verfasser: HHM


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