Lexikon der Filmbegriffe

top shot

engl. auch: extreme high angle shot; manchmal auch: overhead shot

Als Extremform der Vogelperspektive nimmt die Kamera einen Platz im Winkel von 90 Grad über der Handlungsfläche ein. Derartige Aufnahmen werden selten, aber immer in signifikanter Manier eingesetzt. Neben subjektiven Aufnahmen, die Blicke in die Tiefe imitieren, können drei Funktionen isoliert werden: (1) Marginalisierung: Aus extremer Aufsicht wirken die Figuren anonym und unwichtig, sie mutieren zu insektenartigen Wesen auf einer Spielfläche. (2) Ornamentalisierung: Berühmt sind die top shots in den Filmen Busby Berkeleys, in denen der extreme Blickwinkel es gestattet, die Formationen von Tänzern und vor allem Tänzerinnen als ornamentale Muster zu gestalten. Die Bühne wird so zur Fläche, auf der die Figuren in grafischen Mustern angeordnet werden können. (3) Entrealisierung: Gelegentlich wird der top shot als ganz und gar unübliche Kameraposition eingesetzt, was für den Zuschauer oft eine momentane Irritation des Raumeindrucks – einen Wahrnehmungsschock – bedeutet. Ein berühmtes Beispiel ist der zweite Mord in Hitchcocks Psycho (1960), der den Mord an dem Detektiv als top shot auf den oberen Treppenabsatz im Haus der Bates‘ visualisiert.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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