Lexikon der Filmbegriffe

Erotikthriller

auch: erotischer Thriller; engl.: erotic thriller, softcore thriller

Seit dem weltweiten Erfolg von Adrian Lynes Fatal Attraction (USA 1987) und Paul Verhoevens Basic Instinct (USA 1992) wurden in den USA eine ganze Reihe ähnlich gearteter erotischer Thriller produziert, die die erfolgreiche Formel zu kopieren versuchten. Filme wie Sliver (USA 1993, Phillip Noyce, mit Sharon Stone), The Last Seduction (USA 1994, John Dahl) und Jade (USA 1995, William Friedkin, beide mit Linda Fiorentino), später dann In the Cut (USA 2003, Jane Campion, mit Meg Ryan) kreierten einen neuen, hochintelligenten und vollständig amoralischen Typus der femme fatale – doch schon diese Filme fanden ihre Hauptverbreitung eher in den Heimmedien Video und DVD als im Kino; neuerdings gehören sie zu den Genres, die in den Spätsendungen des (primär privaten) Fernsehens gezeigt werden. Parallel zu den A-Produktionen entstanden zahlreiche billigere Filme, die von vornherein für die schnelle Vermarktung vorgesehen waren. Sie konnten sich deutlich mehr auf die erotischen Gehalte ihrer Handlungsentwürfe konzentrieren (von Verführungs-Szenarien wie in Basic Instinct bis zu Show-Biz-Demontrationen wie in Showgirls, USA 1995, Paul Verhoeven); meist steht die sexuelle Emanzipation der Protagonistin im Zentrum. Erotikthriller wenden sich primär an ein weibliches Publikum. Sie loten das Spektrum weiblicher Indentitätsentwürfe zwischen dem bad sexy girl und der good female heterosexual bis in die Dialoge hinein aus, bieten so immer wieder Angebote, sich über kontroverse weibliche Rollenzuweisungen und Rollenverständnisse in die Geschichten hineinzufinden.

Literatur: Andrews, David: Sex is dangerous, so satisfy your wife: the softcore thriller in its contexts. In: Cinema Journal 45,3, 2006, S. 59-89. – Martin, Nina K.: Sexy thrills. Undressing the erotic thriller. Urbana, Ill./Chicago: University of Illinois Press 2007. – Williams, Linda Ruth: The Erotic Thriller in Contemporary Cinema. Edinburgh: Edinburgh University Press 2005.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: MS


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