Lexikon der Filmbegriffe

Antikfilm

selten auch: Antikenfilm


Der Antikfilm bezieht seine Inhalte aus Mythen, vermischt mit religiösen Überlieferungen und historischen Fakten. Der Zeitraum, der thematisiert wird, erstreckt sich vom Beginn der griechischen Mythologie bis zum Aufstieg und Zerfall Roms. Das Genre entstand auf Grund der Bekanntheit der Geschichten und der Schauwerte der Inszenierung (zu der auch die Ausstellung der Oberkörper der Protagonisten gehört) schon in der Frühzeit des Films, meist italienischer, bald aber auch amerikanischer Herkunft. Kolossalität und Pompösität der Ausstattung bilden eines der wichtigsten Gratifikationsversprechen, weshalb die Affinitäten zum (antikisierenden) Monumentalfilmvon Beginn an spürbar sind. Auch wurden technische Neuerungen als production valuesschon früh in die Produktionen einbezogen (von Breitwand-Formaten über 70mm-Material bis zu Farbe). Erst die Peplumsitalienischer Herkunft (‚Sandalenfilme‘) priorisierten Ende der 1950er Action und Männerkörper gegenüber der Ausstattung. 


Die Geschichten drehen sich um große Schlachten, Schwertkämpfe, übermächtige Umstände, globale Feindschaften. Viele der Filme handeln von christlichen Werten wie Toleranz, Gleichberechtigung oder Friedfertigkeit (die eine Art vorhistorische Moderne kreieren), um Intrigen der Mächtigen, manchmal sogar oder um Revolten der Sklaven, die die soziale Ordnung bedrohen (wie in Spartacus, 1960). Im Antikfilm entstanden schnell ein Eigenleben entfaltende Heldengestalten wie Hercules, Figurentypen wie der Gladiator (etwa in dem mehrfach verfilmten Ben Hur, 1959, William Wyler, neuerdings in Gladiator, 2004, Ridley Scott) oder verrückte Herrscher (vor allem Nero wurde zum Inbegriff der Figur, etwa in Quo vadis?, 1951, Mervyn LeRoy), später sogar die Orgie als Ausprägung einer Exzessform der Feste der Reichen (weltweite Bekanntheit erlangte Caligola, 1976, Tinto Brass). Komödien bleiben selten – sie würden selbst dann, wenn sie in der Antike spielen, nicht als ‚Antikfilme‘ rubriziert (wie etwa Die Frauen des Herrn S., 1951, Paul Martin); eine der wenigen Ausnahmen ist die Götter-Burleske Arrivano i Titani(1962, Duccio Tessari).


Erst in jüngster Zeit gab es neue Versuche, das alte Genre neu zu beleben (neben dem schon erwähnten Gladiator, 2004, wären zu nennen Alexander, 2004, Oliver Stone, oder Agora, 2010, Alejandro Amenábar). 


Literatur: Eigler, Ulrich: Bewegte Antike. Antike Themen im modernen Film. Stuttgart/Weimar: Metzler 2002. – Junkelmann, Marcus: Hollywoods Traum von Rom. Gladiator und die Tradition des Monumentalfilms. Mainz: Philipp von Zabern 2004. – Juraske, Alexander: Bibliographie Antike und Film. In: Anzeiger für die Altertumswissenschaft59,3-4, 2006, S. 129-178. 

Referenzen:

Antike im Film

Antike und Sciencefiction-Film

Nero im Film


Artikel zuletzt geändert am 21.12.2018


Verfasser: JvH


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