Lexikon der Filmbegriffe

Natriumdampflampen-Verfahren

Die Disney-Studios entwickelten in den 1960ern ein Verfahren zur Filmmontage, das die Unempfindlichkeit von Filmemulsionen (auch für den damaligen Farbfilm) ausnutzt und yellowscreen oder sodium vapor process genannt wurde. So konnten Schauspieler in einer Studioaufnahme vor einer mit Natriumdampflampen beleuchteten Mattscheibe agieren und eine Spezialkamera belichtete durch einen halbdurchlässigen Umlenkspiegel gleichzeitig zwei Filme. Der eine Film nahm die Szene selbst im gesamten Spektrum, das damaliger Farbfilm wiedergeben konnte, auf. Der zweite Film war ausschließlich für das schmale Spektralband der Natriumdampflampe empfindlich und erzeugte so eine sogenannte „Travelling Matte“, eine animierte Maske, die das standgenaue Einspielen eines Hintergrundbildes erlaubt.
Gegenüber Rückprojektionen hatte dieses Verfahren den Vorteil, dass die Szene besser ausgeleuchtet werden kann, ohne den Kontrast der eingespielten Hintergrundkulisse zu schwächen. Die damals ebenfalls bekannte Bluescreen-Technik erzeugte zu jener Zeit noch störende blaue Farbsäume an den Konturen zwischen Szene und Hintergrund, die beim Yellowscreen-Verfahren nicht auftreten. Mit der Verbesserung der Bluescreen-Technik verlor dieses Verfahren wegen des höheren Aufwands an Bedeutung. Disney ließ tatsächlich nur eine einzige Kamera für das Verfahren bauen. Namhafte Filme, in denen der Natriumdampflampen-Prozess verwendet wurde, sind die Jules-Verne-Verfilmung Mysterious Island (USA 1961, Cy Endfield), Alfred Hitchcocks Mystery-Thriller The Birds (USA 1962) und die Musical-Adaption Mary Poppins (USA 1964, Robert Stevenson). Außerdem entstanden noch in den 1970ern einzelne Szenen in dem Verfahren.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: W


Zurück