Lexikon der Filmbegriffe

natural sounds

wörtl.: natürliche Töne

Im Sound Design wird über „natürliche Töne“ – unbearbeitete Töne, wie man sie ohne jede Filterung aufnimmt – fast ausschließlich negativ gesprochen: Es geschieht ausgesprochen oft, dass die naturalistische Aufzeichnung von Geräuschen oder Prozesstönen in keinerlei Weise mit den „Ton-Erwartungen“ von Zuschauern übereinstimmt. Der tatsächliche Knall einer .38er-Pistole hört sich z.B. an wie das Knallen einer Spielzeug-Waffe. Pfeile fliegen nahezu geräuschlos durch die Luft. Usw. Treten derartige Diskrepanzen zwischen dem „erwarteten“ und dem tatsächlichen Ton auf, werden die Töne bearbeitet: Sie werden verstärkt, um andere Töne ergänzt, vollständig gegen andere Töne ausgetauscht. Darum auch sind die Tonwelten vieler moderner Filme hochgradig synthetisch, reproduzieren Ton-Konzepte einzelner Vorgänge, nicht den tatsächlichen Tonverlauf. Die naturalistische Reproduktion spielte in der Frühzeit des Tonfilms (und oft bis heute im Dokumentarfilm) eine gewichtige Rolle, trat aber mit zunehmender Möglichkeit der Tonbearbeitung immer mehr zurück. Darum auch sind natural sounds ein Ausgangsmaterial für das Soundscape einzelner Filme, das der foley artist zu gestalten hat.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: AS


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