Lexikon der Filmbegriffe

Schule im Film

manchmal auch: Schulfilm

Der Schulunterricht ist eine klassische Konfrontationssituation, zudem eine, die jeder erlebt hat. Das macht die die dramatische Ausgangssituation ebenso wie die Faszination des Schulfilms aus. Schulfilme gibt es in großer Zahl und unterschiedlichster Art. Mal sind sie aus der Sicht des Lehrers, mal aus der der Schüler erzählt. Ihr Ton ist mal mehr, mal weniger versöhnlich – das reicht von den nostalgischen Erinnerungen einer Lehrerin in Good Morning Miss Dove (Guten Morgen Miss Fink, 1955) bis zum grimmigen Schüleraufstand in If... (1968). Die Schule ist manchmal selbst ein Apparat, der den Freiheitswillen von Schülern bricht (wie in Léa Pools Lost and Delirious, 2001). Manchmal ist die Schule ein gesellschaftlicher Mikrokosmos, an dem die Möglichkeiten, in der Gemeinschaften zur Gewalt gegen einzelne sich bereitfinden können, studiert werden (wie in Der junge Törless, 1965, Volker Schlöndorff, oder Tschutschelo [Die Vogelscheuche], 1983, Roman Bykow). Manchmal terrorisieren Schüler andere Schüler und Lehrer (wie in Class of 1984, 1982). Andere Filme handeln von der Schule als einem gesellschaftlichen Sonderraum, in dem auch Utopien einer radikal poetisch-ästhetischen Lebensorientierung durchgespielt werden können (wie in Dead Poets Society, 1988, Peter Weir). Wieder andere handeln von erotischen Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern (wie Ora nove, lezione di chimica [Reifende Mädchen], 1941, Mario Mattoli).
Dabei tummeln sich Schulfilme in diversen klassischen Filmgenres: Actionfilme sind darunter (The Principal, 1987), Melodramen (Dangerous Minds, dt.: Dangerous Minds – Wilde Herzen, 1995) und Komödien (Teachers, 1984), Sexfilme (wie die diversen Schulmädchenreports), aber auch Dokumentarfilme (wie Etre et avoir [Sein und Haben], 2002, Nicolas Philibert). Einer der einprägsamsten Schulfilme ist Blackboard Jungle (Die Saat der Gewalt, 1955) geblieben, mit dem Bill Haleys Hymne „Rock Around the Clock“ zum Aufbruch der Jugend berühmt wurde.

Literatur: Dalton, Mary M.: The Hollywood curriculum. Teachers and teaching in the movies. New York [...]: Lang 1999. – Schäffer, Burkhard: „Ein Blick sagt mehr als tausend Worte“. Zur generationsspezifischen Inszenierung pädagogischer Blickwechsel in Spielfilmen. In: Film- und Fotoanalyse in der Erziehungswissenschaft. Ein Handbuch. Hrsg. v. Yvonne Ehrenspeck u. Burkhard Schäffer. Opladen: Leske + Budrich 2003, S. 395-417.

Referenzen:

Lehrer im Film

Paukerfilm

Pennälerfilm


Artikel zuletzt geändert am 19.10.2012


Verfasser: HJK HJW


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