Lexikon der Filmbegriffe

shoshimin-geki

auch: shomin-geki; von japan. shoshimin = untere Mittelklasse (aus shô-shimin = städtischer Kleinbürger) und geki = (Film-)Drama

In der spezifisch japanischen Filmgenreklassifikation handelt es sich bei shoshimin-geki wie bei dem manchmal gleichbedeutend gebrauchten shomin-geki um ein Subgenre des gendai-geki, d.h. um Spielfilme über die Gegenwart (die sogenannte Showa-Ära) des modernen urbanen Japan nach dem großen Erdbeben von 1923. Damals wurde Edo (heute Tokyo) weitgehend zerstört und die Japaner waren in allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen zu einem modernisierenden Neuanfang gezwungen. Maßgeblich im Geschäft mit dem Filmen „moderner“ Thematik wurde der Produzent Shiro Kido und seine neustrukturierte Produktionsfirma Shochiku, die sich nach 1924 mit Erfolg auf neue Komödien und Dramen über die Mittelklasse verlegt hatte.
Auch der bei Shochiku angestellte Yasujiro Ozu, ein Meister der realistischen Darstellung und eines bis heute als typisch japanisch angesehenen Mise-en-Scène, wandte sich dem shoshimin-geki zu, z.B. mit der stummen Komödie [Otona no miru ehon -] Umarete wa mita keredo (Ich wurde geboren, aber..., 1932) über komplizierte Vater-Söhne-Beziehungen in der modernen Arbeitswelt. Er griff das Genre nach dem Krieg wieder auf, nunmehr nicht komödiantisch, sondern in Form bitterer Sozialdramatik, etwa über das Schicksal eines elternlosen Jungen in der Stadt wie in Nagaya shinshi-roku (Erzählungen eines Nachbarn, 1947) oder die Lebenswelt einer verheirateten, aber auf sich allein gestellten Frau, wie in Kaze no naka no mendori (A Hen in the Wind, 1948).
Ebenfalls im shoshimin-geki, der Welt der sogenannten salary men (Gehaltsempfänger), betätigten sich Regisseure wie Heinosuke Gosho, Mansaku Itami, Teinosuke Kinugasa, Yasuji Murata, Mikio Naruse, Torajiro Saito, Yasujiro Shimazu und Tomu Uchida.

Literatur: Phillips, Alastair / Stringer, Julian: The salary man's panic time: Ozu Yasujirô's "I Was Born, But..." (1932). In: Dies. (eds.): Japanese cinema. Texts and contexts. London / New York: Routledge 2007. – Satô, Tadao: Le cinéma japonais. 1.2. Paris: Centre Georges Pompidou 1997. – Richie, Donald: A hundred years of Japanese film. A concise history, with a selective guide to videos and DVDs. Tokyo/New York: Kodansha International 2001; rev. ed. 2005.

Referenzen:

burujoa-eiga

gendai-geki

modan-mono

shomin-geki

Sozialdrama

Sozialkomödie


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: LK


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