Lexikon der Filmbegriffe

sense-making approach

Menschen haben das fundamentale Bedürfnis, dass die Welt „Sinn macht“, was im sense-making approach das Bedürfnis nach Information hervorruft (weshalb die meisten Untersuchungen des Ansatzes sich auf das Informationsbeschaffungsverhalten beziehen), darüber hinaus aber auch die Zuwendung zu fiktionalen Medienformaten motiviert. Da die Realität immer nur bruchstückhaft erkannt wird und dementsprechend viele Lücken (gaps) bestehen, sucht der Rezipient in den Medien nach Überbrückungshilfen (gap bridges), nach Erklärungen, nach Resonanzflächen und Werten. Brenda Dervin, die den Sense-Making-Ansatz 1972 vorstellte,  unterscheidet mehrere typische Szenarien, in denen ergänzende Information nötig ist: (1) Entscheidungssituationen mit mehreren Alternativen; (2) Angstsituationen, in denen kein Ausweg offen zu stehen scheint; (3) Blockierungssituationen, wenn die angestrebte Lösung durch einen Umstand verhindert wird; (4) Problemsituationen, bei denen Umweltgegebenheiten einen Handlungsdruck ausüben. Der Zuschauer wird in zwei Realitäten, an denen er gleichzeitig teilnimmt, lokalisiert – der Alltagswirklichkeit, an der er handelnd teilnimmt, und der Medienrealität, deren modellhafte Vorstellungen er auch zur Interpretation alltagswirklicher Problemsituationen verwendet. Zudem wird der Ansatz herangezogen, um verdeckten Motivationen zur Rezeption medialer Angebote (wie z.B. Seifenopern) auf die Spur zu kommen, die eine Ausgleichsfunktion zu einer nicht immer als ganz sinnvoll erfahrbaren Alltagswelt erfüllen. Die Erklärung von Medienrezeption und das Verständnis der Tiefenmotive der Zuwendung insbesondere zu fiktionalen Formen bedarf so immer des ergänzenden Blicks auf die Alltagsrealitäten der Rezipienten und die Verfahren der sinnhaften Interpretation derselben.

Literatur: Dervin, Brenda: Communication gaps and inequities: Moving toward a reconceptualization. In: Progress in communication sciences. 2. Ed. by Brenda Dervin and M. Voigt. Norwood, NJ: Ablex 1980, S. 73-112. Repr. in: Sense-Making Methodology reader: Selected writings of Brenda Dervin. Cresskill, NJ: Hampton Press 2003, S. 17-46. – Dervin, Brenda: Audience as listener and learner, teacher and confidante: The sense-making approach. In: Ronald E. Rice / Charles Atkin (eds), Public communication campaigns. Beverly Hills/London: Sage 1989, pp. 67-86.


Artikel zuletzt geändert am 22.07.2011


Verfasser: HJW


Zurück