Lexikon der Filmbegriffe

Summary

engl.: recapitulation, rundown, run‑through, sum, summary, summation, summing‑up, wrap‑up

Zu den genuin filmischen Verfahren des Formenbaus gehören Sequenzen, die längere Prozesse mit einer deskriptiven Folge von Einzelbildern (bzw. von Bildern einzelner, zeitlich nacheinander liegender Vorgänge und Handlungsszenen) illustrieren und zusammenfassen. Umgangssprachlich hat sich für derartige Sequenzen der Terminus summary (weil er eine gewisse Phase der Geschichte zusammenfasst) eingebürgert. Es geht darum, gewisse Entwicklungen zu zeigen, die im Einzelnen für das Verständnis der Geschichte nicht wichtig sind, die aber gleichwohl doch so wichtig sind, dass man sie nicht einfach überspringen will. Derartige Sequenzen spielen mit einem internen Widerspruch, die Zeitbehandlung betreffend: Sie sind auf jeden Fall diskontinuierlich – hier wird Handlungsgeschehen komprimiert, in einer Art von „sequentieller Raffung“ beschleunigt und resümiert. Die häufig eingesetzte musikalische Untermalung dient dabei wohl immer als Indikator für Zusammengehörigkeit, so sogar von Kontinuität. Als ein eigener Typus zeitraffender Sequenzformen ist das Summary bislang nicht behandelt worden.
Genette rechnet die summaries (bei ihm abgeleitet aus „summarische Erzählung“) zu den Formen der Zeitraffung. Sie formen einen normalen Übergang zwischen zwei Szenen und bilden eine Art von „Hintergrund“ der Erzählung. So treten zwei semantosyntaktische Funktionen nebeneinander: Zum einen gehören summaries zu den Verfahren der Kontinuisierung der Erzählung und der Überdeckung von Ellipsen des Erzählten; und zum zweiten werden sie dazu genutzt, das Erzählte zu foliieren, Übergangsphasen zwischen narrativ wichtigen Episoden nicht nur zu raffen, sondern auch zu essentialisieren.

Literatur: Genette, Gérard: Die Erzählung. München: Fink 1994, 67ff. Zuerst frz. als: Discours du récit (1972) und: Nouveau discours du récit (1983).


Artikel zuletzt geändert am 29.05.2012


Verfasser: HJW


Zurück