Lexikon der Filmbegriffe

straight-to-video

auch: direct-to-video, made-for-video; neuerdings auch: made-for-DVD, straight-to-DVD, direct to DVD

Allgemeine Bezeichnung für Filme, die keinen Kinostart haben, sondern ausschließlich auf Video oder heute auf DVD in den Handel kommen – Filme, die nur Spezialinteressen und entsprechend kleine Zuschauergruppen bedienen (wie Teile der Horror- und Splatter-Produktion) oder die (wie Dokumentarfilme) erfahrungsgemäß keine großen Umsatzmöglichkeiten im Kino haben. Zum anderen fallen die meisten Sequels für special interest groups darunter, die qualitativ so schlecht sind, dass sie nur eine Verbreitung in diesen kleinen Szenen erwarten lassen. Zum dritten gehören dazu auch die meisten Pornofilme. Ein eigenes kleines Segment sind Kinderfilme, die erst als Videos oder DVDs kindspezifische Nutzungsweisen bedienen; die Disney-Studios etwa vermarkteten The Return of Jafar (1994) – ein Sequel zu Aladdin (1992) – ausschließlich auf Video.
Viele der Filme, die nur in die Video- oder DVD-Auswertung kommen, sind schon technisch so ausgelegt, dass sie die Projektion auf große Bildformate nicht ertragen würden. Andere dagegen, die nicht von den großen Produktionsfirmen hergestellt wurden, die möglicherweise auch keine Ausstrahlungsrechte den Fernsehanstalten haben verkaufen können, bleibt die Video-/DVD-Vermarktung als Chance, überhaupt in einem nationalen Markt greifbar zu sein. Aufgrund der meist deutlich niedrigeren Produktionskosten entstehen außerdem eine große Anzahl unabhängiger Filme als straight-to-videos. (Es sei allerdings erwähnt, dass Stars der Straight-to-Video-Filme wie die beiden Action-Helden Jean-Claude van Damme und Steven Seagal Millionengagen verlangen, deren Videos allerdings auch in Millionenauflagen verkauft werden.) In allen Fällen umfasst der Werbeaufwand, der für die Auswertung im Videomarkt betrieben werden kann, nur ein Bruchteil der Kosten, die eine Kinoauswertung verursachen würde. Manchmal werden Serien, deren Ausstrahlung mangels Erfolgs eingestellt wurde, auf Video/DVD weiter ausgewertet (wie bei Clerks: The Animated Series); und manchmal kommt es sogar zur Neuproduktion von Serien, die als schon eingestellt galten, die sich aber in der DVD-Auswertung als erfolgreich herausstellten (Family Guy ist ein Beispiel, das 2002 abgesetzt, 2005 aber neu in das Programm aufgenommen und weiterproduziert wurde). Angesichts der immer größeren Umsätze, die im Video-/DVD-Markt erzielt werden, ist allerdings deutlich, dass die Kinoauswertung sich zur Werbeveranstaltung für den Verkauf und den Verleih von Videos/DVDs entwickelt. 


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HHM


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