Lexikon der Filmbegriffe

Exilfilm

Der Exilfilm entsteht in den Jahren nach der Machtübergabe an den Nationalsozialisten, weil es tausenden von Filmschaffenden jüdischen Glaubens oder Abstammung nicht mehr möglich war, in Deutschland Filme zu produzieren; andere emigrierten aus politischen Gründen. In der Emigration drehten sie zwischen 1933 und 1950 Filme, die sich den Sprachen, Strukturen und Arbeitsmethoden der jeweiligen Gastländer anpassten. So richteten sich Exilfilme – im Gegensatz zur Exilliteratur – nicht speziell an ein deutschsprachiges Publikum, sondern an die Zuschauer im Exilland.
Als Exilfilme werden solche im Ausland gedrehten Werke bezeichnet, bei denen mindestens die Schlüsselpositionen Regie, Drehbuch und Produktion von deutschsprachigen Exilanten besetzt werden. In einigen Fällen, wie Kämpfer (1935), Mayerling (1936), Hangmen Also Die (1943) und Hitler’s Madman (1943) besteht fast der gesamte Stab aus Exilanten. So entstehen (vor 1938) ca. 220 Filme in Österreich, Ungarn, Frankreich, Holland (bis zur Besetzung), England, Italien, in der Schweiz und vor allem in Hollywood, die nach Horak (1993) nicht als Randerscheinung der jeweiligen nationalen Filmproduktionen betrachtet, sondern als ein parallel zum Film des Dritten Reichs verlaufendes Kapitel der deutschen Filmgeschichte gelesen werden sollten.
Obwohl Exilfilme in fast allen klassischen Genres produziert wurden (vor allem Komödien, musicals, Melodramen, Kostümfilme, Anti-Nazifilme und film noirs), werden Exilthemen wie Heimatlosigkeit, Verlust der Identität und Wilkür der Staatsmacht überraschend oft direkt oder auch metaphorisch behandelt, so dass der Exilfilm auch Charakteristiken der Gattung hat.

Literatur: Jan-Christopher Horak: Exilfilm, 1933-45. In: Geschichte des deutschen Films. Hrsg. v. Wolfgang Jacobsen [...]. Stuttgart: Metzler 1993, S. 101-118.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JCH


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