Lexikon der Filmbegriffe

Trash-TV (2): Charakteristiken

Attribute des Trash-TV sind Unhöflichkeiten, Beleidigungen, Demütigungen und Erniedrigungen durch markig auftretende Talkshow-Moderatoren und seitens sonderbarer Gäste und befremdlicher Experten untereinander, Slang und ‚Gossensprache‘, lautstarker Zank und verbaler Krawall um das Rederecht bei außer Kraft gesetzter Diskussionskultur, rechthaberische Streitereien um (oft dümmliche) Alltagsthematiken, Provokation und Anmache durch Körperfetischismus wie Piercings und Tattoos, inszeniertes Freaktum und clowneske Selbstbehauptung, anmacherischer Sex und plumpe Erotik (Busenentblößen als letzte Kommentarfunktion etc.). Programmatisch äußerte sich in dieser Hinsicht bereits 1991 etwa Helmut Thoma, damals Geschäftsführer von RTL-plus: „Wenn man sich friedlich unterhält, sehen weniger Leute zu, als wenn man sich gegenseitig anbrüllt.“
Auf dieser Basis konnten Zuschauer bereits früh über die Regeln der angeblichen Rateshow Tutti Frutti rätseln, in der es letztlich nur darum ging, dass die revueartig auftretenden, leicht bekleideten Italienerinnen endlich ihre BHs öffneten. Die Überwachungsserie Big Brother ermöglichte dem sich so unendlich überlegen wähnenden Bürger einen entsetzten Blick auf das erstaunliche Treiben offenkundig retardierter Trash-Proleten.

Literatur: Art. "Tabloid talk show". In: Wikipedia; URL: http://en.wikipedia.org/wiki/Trash_TV. – Allen, Steve: Vulgarians at the gate. Trash TV and raunch radio. Raising standards of popular culture. Amherst, NY: Prometheus Books 2001. – Grindstaff, Laura: The money shot. Trash, class, and the making of TV talk shows. Chicago: University of Chicago Press 2002.

Referenzen:

daytime

Trash-TV (1): Geschichte


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: LK


Zurück