Lexikon der Filmbegriffe

Tendenzfilm (1)

Der im 19. Jahrhundert aufgekommene Begriff der Tendenz als Bezeichnung für eine intentionale Orientierung künstlerischer Werke wurde in der Nazizeit als Bezeichnung für die unterschwellige Funktion von Filmen der Zeit gebraucht: Auch reinen Unterhaltungsfilmen wohne eine Funktion als Erziehungsmittel inne und ihnen komme eine „staatsmoralische Tendenz [zu], die Tendenz, ein Volk für die Durchsetzung seiner Lebensansprüche mit zu befähigen und zu erziehen“ (Goebbels, 1941). Insbesondere der Filmpolitiker und -produzent Fritz Hippler versuchte, das Konzept an die faschistische Filmtheorie anzuschließen, wenn er jedem Film eine Art innerer „Moral“ zuschrieb, die vom Zuschauer unterhalb der Bewusstseinsschwelle aufgenommen werde. Vor allem der sowjetische Tendenzfilm mit seiner klaren Teilung der Charaktere in gute und böse wurde von ihm explizit als Vorbild für nationalsozialistische Filmtheorie benannt.

Literatur: Eckert, Gerd: Filmtendenz und Tendenzfilm. In: Wille und Macht. Führerorgan der nationalsozialistischen Jugend 6,4, 15.2.1938. – Czapla, Ralf Georg: Die Feuerzangenbowle, ein nationalsozialistischer Tendenzfilm. Helmut Weiss’ Spoerl‑Verfilmung als mediendidaktische Herausforderung. In: Joachim Pfeiffer / Thorsten Roelcke (Hrsg.): Drama – Theater – Film. Würzburg: Königshausen & Neumann 2012, S. 1‑20. 

Referenzen:

Propaganda

Tendenzfilm (2)


Artikel zuletzt geändert am 15.06.2016


Verfasser: JH


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