Lexikon der Filmbegriffe

Teufelspakt

engl. compact/pact with the devil, demonic contract, diabolic compact, satanic pact; frz. pacte avec le diable, pacte satanique

Die Idee, dass ein Mensch mit dem Teufel handelseinig wird und einen Vertrag oder Pakt mit ihm abschließt, in dem er für ihm zugesagte Leistungen im Gegenzug seine Seele verkauft, liegt den beiden großen Motiv-Gruppen der Filme mit Pakten nach dem Faust-Modell und in solche nach dem Morpheus-Typ zugrunde. (1) Beim Faust-Modell versucht ein Intellektueller, Forscher, Manager, Rechtsanwalt, Polizist, Künstler (Schauspieler wie in Rosemary‘s Baby, 1968, Roman Polanski; Musiker und Rockstar wie in Brian de Palmas Phantom of the Paradise, 1974) oder ein sonstiger Pfiffikus, Tausendsassa, Schlemihl oder Filou, aber auch manch rechtschaffener, bedürftiger Schlucker (The Devil and Daniel Webster, aka: All That Money Can Buy, 1941, William Dieterle) mittels Einflüsterungen und Machenschaften des Teufels – ähnlich wie mit Rauschgift und Drogen – ungewöhnliche oder übermenschliche Leistungen zu erzielen, zu erhalten oder zu steigern und auf diesem Wege seine Gier nach Wissen und Erkenntnis, aber auch nach Geld und Besitz, Macht und Ruhm oder Erlösung und Liebe zu stillen. Dafür verpfändet er seine Seele an den Teufel – in der Hoffnung, durch eigene Schlauheit den zumeist vertragstreuen Teufel zur Stornierung bewegen, ihn täuschen oder betrügen zu können. (2) Beim Typus des Orpheus-Pakts (z.B. Angel on My Shoulder, 1946, Archie Mayo; The Devil and Max Devlin, 1981, Steven Hilliard Stern; Spawn, 1997, Mark A.Z. Dippé) befindet sich der Protagonist bereits in der Hölle bzw. Unterwelt und bekommt das Angebot, bei entsprechenden Gegenleistungen noch einmal zu einer zweiten Chance ins Leben zurückkehren zu dürfen, um nunmehr als Wiedergänger mit teuflischen Kräften alles zum eignen und des Teufels Nutzen ‚richtig‘ zu machen.
Die zahlreichen Filme zum Motiv spannen ihre Erzählungen, die zumeist von den Schwierigkeiten der Selbstfindung der Protagonisten handeln, zwischen Versuchen zur Vertragsanbahnung und Versuchen zur Vertragsauflösung auf. Vertragsauflösung kann durch höherwertige Güter wie die erlösende Liebe herbeigeführt werden. Jedoch kann die Selbsterkenntnis auch zur Pakterfüllung führen wie in Alan Parkers Angel Heart (1987), in dem der detektivische Protagonist erst zum tragischen Schluss erkennt, dass der Teufel sein Auftraggeber ist und er selbst der höllengeweihte Gesuchte, oder aber erst die misslungene Selbstfindung führt zum suizidalen Pakt wie in Robert Bressons Le Diable probablement (1977).

Literatur: Mitchell, Charles P.: The devil on screen: feature films worldwide, 1913 through 2000. Jefferson, NC: McFarland 2002. – Schreck, Nikolas: The satanic screen: an illustrated guide to the devil in cinema. London: Creation Books 2001 (Creation Cinema Collection, 17.). – Staiger, Michael: Faust verfilmt. Gründgens – Murnau – Clair. In: Der Deutschunterricht 1 (1999), S. 120-127


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: LK


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