Lexikon der Filmbegriffe

Text-Bild-Schere

auch: Bild-Text-Schere, Ton-Bild-Schere

Das Modell der Text-Bild-Schere ist ein populäres und oft bemühtes Konzept, mit dem Journalistik wie Publizistik die Beziehungen darzustellen und zu beurteilen versuchen, die zwischen dem Off-Kommentar und dem Bild fernsehjournalistischer Filmbeiträge bestehen; Klaffen sie auseinander, ist nach der Behauptung Wembers, der das Modell seinerzeit vorgestellt hatte, die Verstehbarkeit der Nachricht schlechter. Text-Bild-Scheren hemmen danach Information, die Bilder werden zum baren Bildteppich, tragen keine eigene Bedeutung mehr. Praktische Erfahrung zeigt jedoch genauso wie theoretische Überlegung und experimentelle Nachprüfung, dass das Konzept zu grobschlächtig ist, um als Erklärungsmodell der facettenreichen Text-Bild-Relationen dienen zu können. Die Defizite sind: eine Vermengung von wahrnehmungspsychologischen und linguistischen bzw. logischen Sachverhalten, die fehlende Unterscheidung von nicht-vorhandenen und kontradiktorischen Text-Bild-Beziehungen sowie eine viel zu enge und zudem normative Fixierung auf das Format „Magazin- bzw. Nachrichtenbericht“.

Literatur: Drescher, Karl Heinz: Erinnern und Verstehen von Massenmedien: Empirische Untersuchungen zur Text-Bild-Schere. Wien: WUV-Universitätsverlag 1997. – Renner, Karl Nikolaus: Die Text-Bild-Schere. In: Studies in Communication Sciences 2,1, 2001, S. 23-44. – Wember, Bernward: Wie informiert das Fernsehen? München: Paul List 1976.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


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