Lexikon der Filmbegriffe

Affektiver Trugschluss

engl. affective fallacy

Die formalistische Texttheorie und Poetik haben die Relativität der affektiv-effektiven Dimension von Texten dazu benutzt, die Notwendigkeit des closed reading vehement einzufordern. Affective fallacy („affektiver Trugschluss“) ist ein Kernkonzept, das die beiden Literaturtheoretiker William K. Wimsatt und Monroe C. Beardsley (1954) erfunden haben. Es weist auf die Veränderbarkeit und Subjektivität des Affekts hin, der durch eine Rezeption induziert wird und der darum als Dimension der Textanalyse global zurückzuweisen ist. Sie habe sich strikt auf formale Strukturen des Textes zu beschränken. Jede Lektüre eines Textes bezieht sich nicht allein auf den primären Inhalt, sondern auch auf die emotionalen resp. affektiven Effekte, die aber weder zum Ausgangspunkt von Textanalyse gemacht noch ursächlich dem Text angelastet werden können. Literaturanalyse, die sich um diese Effekte zu kümmern versucht, sitze dem grundsätzlichen Trugschluss auf, sie seien im Werk nachweisbar.

Literatur: Wimsatt, William K. / Beardsley, Monroe C. (1954) The affective fallacy. In: The verbal icon. Ed. by William K. Wimsatt. London: Methuen, S. 21-39. Dt. in: Texte zur Theorie der Autorschaft. Stuttgart: Reclam 2000, S. 84-105.


Artikel zuletzt geändert am 15.07.2011


Verfasser: HJW


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