Lexikon der Filmbegriffe

reunion films

dt. etwa: „Wiedervereinigungs-Film“

Das Motiv der Wiedervereinigung behandelt Gruppen, die vor längerer Zeit als Freundescliquen, Klassenverbände, Firmenbelegschaften oder Familien eng miteinander verbunden waren, die einander aber aus den Augen verloren und die aus gegebenem Anlass wieder zusammenkommen – oft nur für eine äußerst begrenzte Zeit. Es sind Hochzeiten, Jubiläen, Jahrestage und dergleichen mehr – vor allem aber Beerdigungen, die als Anlässe für das neue Zusammenkommen dienen. In der Begegnung wird nicht nur Vergangenes nostalgisch beschworen und erinnert, sondern es werden alte Konflikte und Koalitionen neu aufgelegt (wie in der melancholischen Screwball-Comedy Lamorte, BRD/Österreich 1997, Xaver Schwarzenberger). Oft dient die Anwesenheit der anderen als Anlass, das eigene Leben zu reflektieren, über die Werthorizonte der eigenen Existenz nachzudenken oder auch in Trauer darüber zu verfallen, weil die alten Lebensentwürfe nicht eingelöst wurden. Ein typisches Beispiel ist Robert Altmans Ein-Raum-Drama Come Back to the Five and Dime, Jimmy Dean, Jimmy Dean (USA 1982): Zwanzig Jahre nach dem Tod ihres Idols feiern die früheren Mitglieder des Dean-Fanclubs von McCarthy, Texas ein Wiedersehen im schäbigen Krämerladen der Kleinstadt. In Ceux qui m‘aiment prendront le Train (Frankreich 1998, Patrice Chéreau) erzählt von der Beerdigung des mittelmäßigen Malers Jean-Baptiste Emmerich, zu der sich die Verwandten, Bekannten, ehemaligen Liebhaber und Erben auf eine gemeinsame Zugfahrt nach Limoges begeben, wo er seine letzte Ruhestätte finden soll. The Return of the Secaucus Seven (USA 1980, John Sayles) erzählt von einem gemeinsamen Wochenende einer Studentengruppe, die in den 1960ern gegen Vietnam und für die Bürgerrechte protestiert hatten, die sich in den 10 Jahren vor dem Wiedertreffen voneinander entfernt haben und die doch etwas von der verloren geglaubten Utopie in der Wärme und Solidarität, die noch immer zwischen ihnen besteht, erhalten haben. Manchmal werden die Mitglieder der Gruppe als Stereotypen (von Klasse, Rasse, Kultur, Einkommen, sexueller Orientierung bis hin zu persönlichen Vorlieben) gezeichnet, so dass es möglich wird, die Gruppen wie miniaturisierte Gesellschaftsmodelle zu inszenieren (als Beispiel: The Metropolitan, USA 1990, Whit Stillman).

Referenzen:

Gruppenporträt


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: AS


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