Lexikon der Filmbegriffe

Roxy Film

Der Produzent Luggi Waldleitner machte sich 1952 mit seiner Produktionsfirma Roxy Film (München) 1951 selbständig. Schon das erste Filmprojekt – der Heimatfilm Tausend rote Rosen blüh'n (1952) – wurde ein großer Erfolg. Es folgten weitere Unterhaltungsfilme nach dem Prinzip, Leinwandstars wie Maria Schell (Bis wir uns wiederseh‘n, 1952) und Dieter Borsche (Die Barrings, 1955) zum Marketing-Zentrum der Roxy-Filme zu machen. Unter den Produktionen der Roxy befanden sich von Anfang an zahlreiche Literaturverfilmungen. Die erste internationale Koproduktion (und der erste deutsche CinemaScope-Film) wurde Oase (1955, Yves Allégret, Joseph Kessel) mit Michèle Morgan und Carl Raddatz. Die Skandal-Satire Das Mädchen Rosemarie (1958, Rolf Thiele) mit Nadja Tiller in der Rolle der Frankfurter Prostituierten Rosemarie Nitribitt wurde ein nationaler wie internationaler Erfolg, der neben mehreren nationalen Verboten und Auflagen mehrere internationale Preise gewann. Die 1960er – in denen zwar auch Filme wie Schachnovelle (1960) mit Curd Jürgens entstanden – wurde für Roxy das Jahrzehnt anspruchsloser kommerzieller Produktionen wie Italo-Western, Komödien und Sex- bzw. Aufklärungsfilmen. Waldleitner blieb trotz der Kinokrise dabei, ausschließlich Kinofilme zu produzieren. Als Mitglied im Verwaltungsrat der Filmförderungsanstalt setzte er sich für die staatliche Filmförderung ein, die 1968 mit Hilfe des Filmförderungsgesetzes umgesetzt werden konnte. In den 1970ern kombinierte Roxy das Konzept des Publikumsfilms (vor allem die acht Verfilmungen der Simmel-Romane, 1969-1978) mit dem des Autorenfilms; zu den Regisseuren gehörten Wolfgang Petersen (Einer von uns beiden, 1974), Hans W. Geissendörfer (Sternsteinhof, 1976, Die gläserne Zelle, 1978, Ediths Tagebuch, 1983) und Rainer Werner Fassbinder (Lili Marleen, 1981). Waldleitner wurde 1979 für seine Verdienste um den deutschen Film mit dem Spezial-Bambi ausgezeichnet. Noch Caroline Links Jenseits der Stille (1996) erhielt neben Bundesfilmpreisen und Bayerischen Filmpreisen eine Oscarnominierung.
Nach Waldleitners Tod 1998 ruhte die Firma für drei Jahre, wurde 2001 aber als Produktionsfirma reanimiert, die nun aber gezielt vor allem Fernsehprojekte umsetzte (darunter Das Gespenst von Canterville, 2005, Isabel Kleefeld, für Sat.1, oder die ZDF-Produktion Das beste kommt erst, 2009). Der mehrfach ausgezeichnete Wer früher stirbt ist länger tot (2007) ist der erste Kinofilm der (neuen) Roxy.


Artikel zuletzt geändert am 24.07.2011


Verfasser: JH


Zurück