Lexikon der Filmbegriffe

Phono-Kinema

auch: Kellum Phono-Kinema sound process; manchmal fälschlicherweise: Photo-Kinema

Phono-Kinema
war ein Sound-on-Disc-Verfahren, das Orlando Kellum erfunden hatte, als er Edisons Kinetophon gesehen hatte; mit geliehenem Geld aus der Verwandtschaft gründete er 1916 die Kellum Talking Picture Company. Im Mai 1921 stellte er sein System vor; das Programm umfasste ein kurzes Lied, einen Monolog im „Neger-Dialekt“ und eine Rede von David W. Griffith, der das Kellumsche Verfahren als „bewunderungswürdig und akkurat“ beschrieb. Zu den Beispielen, die alle noch 1921 entstanden, gehören Aufnahmen des Schauspielers Frederick Warde, der ein Gedicht vorträgt, ein Stück des Van-Epps-Jazz-Trios, eine Rede des Gewerkschaftsführers Samuel Gompers‘, eine kurze Vorlesung von James J. Davis, der im Arbeitsministerium der Harding-Regierung mitwirkte, und ähnliches mehr. Vor allem setzte Griffith das Verfahren in den Gesangs- und Sound-Effekt-Sequenzen seines Films Dream Street (1921) ein. Die Tonqualität war aber schlecht, und die wohl einzige Vorstellung, in der die Phono-Kinema-Sequenzen auch mit Schallplatten-Ton vorgeführt wurden, war die Premiere in New York. Das Ende des Systems deutete sich an, als das deutlich bessere Sound-on-Film-System Phonofilm 1923 präsentiert wurde. Kellums Firma wurde von Vitaphone übernommen.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


Zurück