Lexikon der Filmbegriffe

Photophone

auch: RCA Photophone

RCA Photophone war eines von vier Ton-Verfahren, die in den USA anfangs der 1920er entwickelt wurden, das später zum Industriestandard aufstieg (Amplituden-Verfahren) – weil es als einziges die Veränderung der Fläche zur Darstellung des Tons resp. der Lautstärke verwendete (das Warner-Brothers-System Vitaphone war ein Sound-on-Disc-Verfahren, die beiden Konkurrenten Lee de Forests Phonofilm und Fox‘ resp. Case‘ Movietone basierten auf der Veränderung der Dichte der Lichttonspur). Das Patent wurde 1925 durch General Electric angemeldet, die ihm auch den Namen gaben, der vorher schon zur Bezeichnung anderer Filmton-Verfahren gedient hatte. RCA, die zu General Electric gehörte, übernahm das Patent, kaufte das am 2.2.1927 vorgestellte Kinegraphophone-System, das ähnlich wie Photophone aufgebaut, aber ausgereifter war, und gründete RCA Photophone Inc. (am 22.3.1927) und führte die Technik in den Wettbewerb gegen AT&T/Western Electric, die Vitaphone und Movietone unterstützten. Photophone war zu Beginn vor allem Movietone deutlich unterlegen, doch die intensive Arbeit der RCA-Ingenieure führte schließlich nach wenigen Jahren zu solchen Verbesserungen, dass 1928 nicht nur das neue Hollywood-Studio RKO Radio Pictures (an deren Gründung sich RCA beteiligt hatte, um ihre Tonfilm-Technologie zu vermarkten und das sich andeutende Monopol des Movietone-Systems zu brechen), sondern auch Paramount Pictures Photophone als Haustechnik einsetzten; Pathé und FBO nahmen noch 1928 Lizenzen des Systems. Die Marktpolitik der Electrical Research Products Incorporated (ERPI), die die Movietone-Patente auswertete, war so erfolgreich, dass RCA Photophone um 1930 lediglich ein Fünftel der Ton-Kinos mit seiner Technik ausgerüstet hatte. Als die Konkurrenzsituation der beiden Verfahren Ende 1928 aber de facto aufgehoben wurde, als Filme der einen Firma auf Projektoren der anderen vorgeführt werden konnten, setzt sich schnell das technisch bessere Photophone-Verfahren durch, das 1950 praktisch zum Standard-Lichtton-Verfahren geworden war.

Literatur: Cowan, Lester (ed.): Recording sound for motion pictures. New York: McGraw-Hill 1931. – Crafton, Donald: The Talkies: American Cinema's Transition to Sound, 1926–1931. New York: Charles Scribner's Sons 1997. – Gomery, [John] Douglas: Failure and success: Vocafilm and RCA innovate sound. In: Film Reader, 2, 1977, pp. 213-221. – Jossé, Harald: Die Entstehung des Tonfilms. Beitrag zu einer faktenorientierten Medien­geschichtsschreibung. Freiburg/München: K. Alber 1984.

Referenzen:

Kinegraphophone

Pallophotophone


Artikel zuletzt geändert am 10.02.2012


Verfasser: JH


Zurück