Lexikon der Filmbegriffe

Peplums / peplum films

frz.: péplums, films (de) péplum, péplumscinema; engl.: peplums, peplum films; auch: dt. Sandalenfilme; engl.: sword and sandal(s) cycle, sword and sandals films; (Roman) epics; (Italian) muscle-man epics

Die Bezeichnung péplums wurde von der französischen Kritik der späten 1950er Jahre mit zunächst deutlich abwertendem Unterton geprägt. Zwischen 1958 und 1964 wurde der größte Teil der Filme in Italien – manchmal mit finanzieller Beteiligung aus Frankreich und Spanien – seriell und äußerst ökonomisch hergestellt. In ihrer antikisierenden Thematik sind sie einander eng verwandt und bilden eine Subform des Abenteuer- und Fantasy-Films italienischer Herkunft. Im Sinne einer überwiegend römisch eingekleideten, letztlich aber zeitlosen Universalmythologie agieren so einfach-schlichte wie gutherzig-edle, vor allem unglaublich starke und heroische „Muskelmänner“ wie Maciste, Herkules, Goliath, Ursus, Samson oder Odysseus stets pro bono et contra malum – sie behaupten sich gegen Naturkatastrophen, bekämpfen hinterhältige Fabelwesen, weisen bösartige Tyrannen samt vamphaften Herrscherinnen in die Schranken und besiegen ganze Unterdrückerarmeen.
Die Flut der über 250 italienischen peplums entsteht einerseits als Nachklang ideologischer Bestrebungen nach nationaler Würde und Größe wie auch als Verarbeitungsversuch des speziell italienischen Faschismus von Mussolini, andererseits durch geschickte Ausnutzung der vorhandenen Studioressourcen. Die Filme waren ein Exportschlager. Erst spät erkannte die Kritik die ökonomische Raffinesse dieser Filme: die Nutzung der Studios und des Personals von Cinecittà, in denen einige amerikanische Großproduktionen vorbereitet worden waren (wie etwa Mervyn LeRoys Quo Vadis?, 1951), den Einsatz erzählerischer Stereotypen und Versatzstücke, die Verwendung des vorhanden Requisiteninventars, von stock shots sowie von Serienhelden, als die man häufig Bodybuilder einsetzte, durch die jener besondere Stil ausgestellter männlicher Körperlichkeit in die Filme einzog, die sie von der zeitgenössischen Gesamtproduktion abhob. Einige heute wegen ganz anderer Werke bekannte Regisseure wie Jacques Tourneur (La battaglia di Maratona, 1959, von Mario Bava beendet), Sergio Leone (Il Colosso di Rodi, 1961) und Sergio Corbucci (Romolo e Remo, 1961) oder Schauspieler wie Orson Welles (König Saul in Davide e Golia, 1959, Ferdinando Baldi & Richard Pottier) haben an peplums mitgewirkt.

Literatur: Positif 456 (Paris 1999): Dossier: Le péplum italien. – Solomon, Jon: The ancient world in the cinema. Rev. and expanded ed., New Haven, Conn: Yale University Press 2001. – Seeßlen, Georg: Abenteuer. Geschichte und Mythologie des Abenteuerfilms. Überarb. Neuaufl. Marburg: Schüren 1996 (Grundlagen des populären Films.). – Wyke, Maria: Projecting the past: Ancient Rome, cinema, and history. New York: Routledge 1997.

Referenzen:

Abenteuerfilm

Gladiatorenfilme

Peplums: Nachgeschichte

Peplums: Stoffe und Geistesgeschichte


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: LK


Zurück