Lexikon der Filmbegriffe

purple prose

wörtlich: „purpurne Prosa“, wohl als Hinweis auf die Verwendung der Farbe Purpus als Farbe der Inszenierung von Herrschaft (wie in der Kleidung von Bischöfen) und von Reichtum; manchmal verkürzt (wenn nur Teile eines Werks gemeint sind): purple passages; im Film: purple sequences; wohl nach einer literarischen Kritik Horaz‘ (Episteln 2.3.14-19), der damit Einschübe in ein Werk von ganz anderer Art und von ganz anderer Thematik als unangemessen verurteilte; in neuerer literarischer Kritik als abwertende Bezeichnung für rein ornative Textpassagen, die dem eigentlichen Inhalt nicht beitragen

Der Begriff der purple prose bezeichnet Abschnitte literarischer Werke, manchmal sogar Werke in ihrer ganzen Länge, die so überstilisiert und formelhaft aufgebaut und dabei so prätentiös und gespreizt vorgetragen sind, die so viel Extravaganz zu beanspruchen scheinen oder so von ornativen Sprachelementen überzogen sind, dass ein Interesse an einem wie auch immer gearteten Inhalt kaum noch zum Zuge kommen kann. Natürlich ist purple prose reflexiv, stellt die Gemachtheit ebenso aus wie das klare Interesse, beim Leser starke emotionale Effekte herzustellen. Darum wurde purpleness insbesondere sogenannter Trivialliteratur vorgeworfen.
Auch im Film finden sich manchmal szenenlange Inserts, die rhythmisch, im Umgang mit Farben und Musik, durch Modulation des Schauspiels und anderes mehr den Fluss der Erzählung unterbrechen (oder ganz aussetzen) und die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich selbst, nicht aber auf die Narration umlenken. Darin sind Sequenzen der purple prose als ein Überhandnehmen des Attraktionellen verstehbar. Oft sind es segmental markierte Stücke (wie Träume), gelegentlich auch Momente hohen Glücks, die derartig gegen den umgebenden Film gestellt sind. Ein Beispiel mögen die Traumsequenzen in The Big Lebowski (USA 1998, Joel Coen) sein.

Literatur: Smith, Murray: Engaging characters. Fiction, emotion, and the cinema. Oxford: Clarendon Press 1995, S. 165ff.

Referenzen:

Attraktion / Narration


Artikel zuletzt geändert am 26.07.2011


Verfasser: AS


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