Lexikon der Filmbegriffe

porno-chic

auch: porno chic, porn chic; von engl.: porn(o) = Pornographie + chic = Schick, Eleganz, Geschmack

Der Ausdruck ‚Porno-Chic‘ kam mit dem kommerziellen Erfolg softpornographischer Filmprodukte der 1970e Jahre auf. ‚Anrüchige‘ Kinohits von Gerard Damiano (Deep Throat, 1972, und The Devil in Miss Jones, 1973) oder Just Jaeckin (Emmanuelle, 1974, Histoire d'O, 1975, und Lady Chatterley's Lover, 1981) machten die sogenannte ‚weiche‘ Pornografie gesellschaftsfähig. Porno-Chic als postmodernes, nach Öffentlichkeit heischendes Phänomen nutzt, ohne selbst Pornografie zu sein oder auf sie abzuzielen, Darstellungsweisen dieser (weichen) Pornographie als ornamentale Stilelemente in primär nicht-pornographischen Bereichen der (Massen-)kultur wie Mode, Musik, Werbung, aber auch im hochkulturellen Theater. Insbesondere die TV-taugliche Videoclip-Kultur des musikalischen Mainstream setzt hier mit Vertreterinnen wie Madonna (Album „Erotica“, 1992) und Christina Aguilera (Album „Stripped“, 2002, Video Dirrty) an. Bezugnahmen können dabei Versatzstücke der Pornografie pasticheartig zitieren und parodieren (– welcher US-TV-Krimi kommt ohne Table-Dance-Szene aus? –) oder sich als augenzwinkernde Hommage an vergangene Zeiten, Werke und Personen verstehen (wie etwa in Boogie Nights, 1997, Paul Thomas Anderson). In Wellenbewegungen wird Porno-Chic in der westlichen Welt verdammt und für tot erklärt, um sodann als modisches Verhalten wieder revitalisiert oder, wie zuletzt in der hypersexualisierten Form der Rap-Musik, dem Porno-Rap, mit einem reaktionären Geschlechtsrollenbildes gekoppelt zu werden.

Literatur: Duits, Linda / Zoonen, Liesbet van: Headscarves and porno-chic: disciplining girls' bodies in the European multicultural society. In: European Journal of Women's Studies 13,2, 2006, S. 103-117. – McNair, Brian: Striptease culture: sex, media and the democratization of desire. New York: Routledge 2002, S. 61-87. – Williamson, Bruce: Porno chic. In: Keough, Peter (ed.): Flesh and blood: the National Society of Film Critics on sex, violence, and censorship. San Francisco: Mercury House 1995, S. 10-27.

Referenzen:

Softporno

Videoclip


Artikel zuletzt geändert am 10.02.2012


Verfasser: LK


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