Lexikon der Filmbegriffe

Posse

von frz. ‚ouvrage à bosse‘ = erhabene Arbeit; im 15. Jahrhundert ins Deutsche entlehnt-verengt als ‚Scherzfigur‘

Die Posse gilt als niedere und grobe Form des Komischen. Ihre einfache Handlung ist vor allem auf primitive, oft auch erotische Späße aus. Meist handelt es sich dabei um ein teilweise improvisierendes Theater, für das Stegreifeinlagen, Übertreibung, Situations- und Charakterkomik kennzeichnend sind. Der Begriff kam im 17. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem deutschen Wandertheater auf und bezeichnete zunächst die Unflätigkeiten des Narren (erhalten in „seine Possen treiben“). Im 19. Jahrhundert wurde die Posse als Lokalposse im Theater zur eigenen Gattung erhoben und findet sich seitdem im literarischen Kanon. Meist in kleinbürgerlichem Milieu spielend und dessen Weltsicht und Sprache adaptierend, handelt die Posse teils verklärend, teils kritisch vom Alltagsleben ihrer Helden in der Stadt. Sie ist zwischen der Feier gutmütig-harmlosen Mutterwitzes und der satirischen Verspottung ganzer Milieus aufgespannt.
Im Film wird die Bezeichnung Posse heute meist abfällig gebraucht. Dabei ist die Posse eine der Kernformen des im Dorfleben angesiedelten Heimatfilms, Formen der Volkskomödie auf das Kino übertragend. Und auch im weiteren Horizont ist die unflätige Komödie des Films (als Farce, Burleske, Slapstick-Komödie etc.) der Komik der Posse zutiefst verpflichtet. Mel Brooks (neben seinen schauspielerischen Auftritten und seinen Drehbüchern sei an Silent Movie, 1976, Spaceballs, 1987, oder Robin Hood: Men in Tights, 1993, erinnert) gilt als ein Verfechter der lauten und respektlosen Posse; doch finden sich auch Filme wie Indien (Österreich 1993, Paul Harather), in dem Josef Hader und Alfred Dorfer im Stil einer melancholischen Posse zwei Verlierer-Typen aus Wien spielen, die es in die niederösterreichische Provinz verschlagen hat. Possenhafte Formen haben sich außerdem als Formen der Fernsehkomödie herausgebildet (z.B. Hogan‘s Heroes, dt.: Ein Käfig voller Helden, aka: Stacheldraht und Fersengeld, USA 1965-1971).

Literatur: Klotz, Volker: Bürgerliches Lachtheater. Komödie, Posse, Schwank, Operette. München: Hanser 1984.


Artikel zuletzt geändert am 26.07.2011


Verfasser: HJW


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