Lexikon der Filmbegriffe

Peplums: Stoffe und Geistesgeschichte

Nachdem die einzelnen Geschichten der – in ihren Attributen austauschbaren und tatsächlich beim Filmexport z.T. frei umbenannten – Superhelden auserzählt waren, nutzte man weiterhin die vorhandene Infrastruktur und ließ zunächst Zweikämpfe zwischen Heroen stattfinden (z.B. Ulysse contro Ercole, 1961), gruppierte die Helden (Ercole, Sansone, Maciste e Ursus gli invincibili, 1964), um dann das Genre zu erweitern: Die Muskelmänner werden nunmehr auf Reisen geschickt. Es entstehen Barbarenfilme, Wikingerfilme, Piratenfilme, Mongolenfilme und orientalische Abenteuerfilme, und die alten Helden müssen mit der Zeit reisen: Zorro contro Maciste (1963), so wie man sie zuvor schon zum Mittelpunkt der Erde versetzt hatte (Ercole al centro della terra aka Hercules vs. the Vampires, 1961). Man ging daran, sie in die Hölle zu schicken (Maciste all‘inferno, 1962), ins Surreale abgleiten zu lassen (Maciste contro il vampiro, 1961; Maciste e la regina di Samar aka Hercules [aka Maciste] vs. the Moon Men aka Maciste vs. the Moon [aka Stone] Men aka Maciste contre les hommes de pierre, 1964) und gelegentlich derben Humor zu bemühen (Totò contro Maciste, 1962, mit dem populären Komiker Totò).
Mit ihrem stark mythologisierenden Erzählmaterial setzen die Peplums bei älteren Antikenfilmen an. Bereits der einflussreiche Dichter Gabriele D'Annunzio, dessen Mythenpoetologie (mit der sich auch der Il Duce Mussolini ideologisch munitionierte) einige Sympathien für den Faschismus aufweist, war bereits früh dem Kino zugetan und arbeitete für den langen, zweieinhalbstündigen Stummfilm Cabiria: Visione storica del terzo secolo A.C. (1914, Giovanni Pastrone aka Piero Fosco) einen Text aus Ab urbe condita des römischen Historikers Livius um, der im 2. Punischen Krieg angesiedelt ist. Im Film erretten der Patrizier Anxilla und der starke Sklave Maciste das kleine Mädchen Cabiria vor dem Opfertod. Maciste, italienischster aller Helden, wird ein Jahr später selbst zur Titelfigur (Maciste, 1915, Pastrone) und erlebt als solche mindestens 25 Verfilmungen. Spätere Heroen der Peplums sind mehrheitlich schlichte Varianten dieses superuomo gemäß D‘Annunzios beliebtem teatro di poesia.

Literatur: Cammarota, Domenico: Il cinema peplum. La 1. guida critica ai film di: Conan, Ercole, Goliath, Maciste, Sansone, Spartaco, Thaur, Ursus. Roma: Fanucci. 1987


Artikel zuletzt geändert am 25.07.2011


Verfasser: LK


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