Lexikon der Filmbegriffe

Public Viewing

dem Engl. nachgeahmte „denglische“ Bezeichnung für „öffentliche Besichtigung von Fernsehsendungen“; ursprünglich Engl.: public viewing = öffentliche Aufbahrung eines Leichnams; im Hess. auch: grubbegugge [= Gruppengucken]; ältere Bezeichnung: Open Air (seit den 1960ern); davor: Freilichtveranstaltung

Mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 kam es in der BRD flächendeckend zum Angebot von Wirten und anderen Veranstaltern, mit leistungsstarken Beamern und Großleinwänden öffentliche Vorstellungen der Fußballspiele zu veranstalten. Tatsächlich wurden diese „Public Viewings“ massenhaft angenommen (zum Endspiel der EM versammelte sich mehr als eine halbe Million Zuseher auf der „Fanmeile“ auf der Berliner Allee zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor; es wurde auf mehrere Leinwände gebeamt). Eventbezogen stellt sich Fernsehen so als Versammlungsmedium dar. Ganz im Gegensatz zur Tendenz des normalen Fernsehkonsums zur Individualrezeption steht so das Public Viewing als eine der Möglichkeiten der Kollektivrezeption. Fußballbezogen wird inzwischen (Stand: 2008) auch die Besichtigung von Spielen in Kneipen als „Public Viewing“ annonciert. Es deutet sich an, dass auch die öffentliche Besichtígung von Pay-TV-Programmen (z.B. in „Premiere-Kneipen“, einen Titel, der nur dann ausgehängt werden darf, wenn die Gaststätte das Pay-TV-Programm „Premiere“ abonniert hat) als „Public Viewing“ bezeichnet werden wird.

Literatur: Cybulska, Max Ferdinand: Public Viewing. Das mediale Ereignis im öffentlichen Raum. Marburg: Tectum 2007. – Dieterich, Claus-Marco: Viewing Public. Das Publikum im Zeitalter seiner medialen Inszenierbarkeit. In: Bilder. Bücher. Bytes. Zur Medialität des Alltags. Hrsg. v. Michael Simon [...]. Münster: Waxmann 2009, S. 273-282.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HHM


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