Lexikon der Filmbegriffe

British Lion Films

eigentlich: British Lion Films Corporation (BLC); meist nur: British Lion

British Lion wurde am 27.11.1927 von Samuel W. Smith gegründet und übernahm die bankrotten Beaconsfield Studios. 1933 nahm die Firma den Verleih von Filmen auf, was schnell zum eigentlichen Zentrum der Firmentätigkeit wurde. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hatte die Firma 55 Filme produziert und verliehen, darunter In Which We Serve (1942, Noel Coward, David Lean), für den Coward einen Oscar erhielt. Alexander Kordas Firma London Films kaufte sich 1946 in die British Lion ein; die Shepperton Studios wurden zugekauft und in British Lion Studio Company umbenannt. Zu den Filmen dieser Phase gehörten The Third Man (1947, Carol Reed), Odette (1950, Herbert Wilcox) und die David-Lean-Filme The Sound Barrier (1952) und Hobson's Choice (1953). 1949 akzeptiert die Firma einen großen Kredit der National Film Finance Corporation, den sie allerdings nicht zurückbezahlen konnte und darum 1955 in Konkurs gehen musste. British Lion wurde als Verleihfirma British Lion Films Ltd. neu formiert. 1958 nahmen die Produzenten John und Roy Boulting, Sidney Gilliat und Frank Launder die Arbeit auf. Unter ihrer Leitung wurden Filme des Kitchen-Sink-Kinos (darunter A Taste of Honey, 1961, The Entertainer, 1960, The L-Shaped Room, 1962, und Saturday Night and Sunday Morning, 1960) vertrieben, die Firma galt bald als wichtige Agentur des neuen englischen Kinos.
Nach den Finanzkrisen der 1960er wurde British Lion an die Barclay Securities (einen Versicherungskonzern) verkauft. Unter der Leitung von Peter Snell entstanden weitere erfolgreiche Filme wie Don't Look Now (1973), The Wicker Man (1973) und The Man Who Fell to Earth (1976). Aufgrund des Wertes der Filmbibliothek, deren Rechte bei British Lion lagen (232 Filme im Verleih, 170 Filme wurden durch BLC produziert), übernahm Thorn/EMI 1976 die Firma, die sich so neu kapitalisieren konnte. Die Rechte-Bibliothek wurde an die Cannon-Group, Weintraub Entertainment u.a. verkauft.
Der Name British Lion tauchte nach 1976 nur noch als Name einer Independent-Firma auf, die Peter Snell nach dem Rückkauf des Namens von EMI eröffnet hatte. Bis 1995 hatte British Lion 349 englische Filme in Großbritannien verliehen, die meisten davon waren eigene Produktionen.

Homepage: http://www.britishlionfilms.com

Literatur: Porter, Vincent: The Robert Clark Account. Films released in Britain by Associated British Pictures, British Lion, MGM, and Warner Bros., 1946-1957. In: Historical Journal of Film, Radio and Television 20,4, 2000, pp. 469-511.


Artikel zuletzt geändert am 14.01.2012


Verfasser: JH


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