Lexikon der Filmbegriffe

Broadway II: Broadway-Hollywood

Manche frühen Filmer glaubten, es sei die Aufgabe des Kinos, die besten Aufführungen in den Broadway-Theatern aufzuzeichnen. Noch 1912 gründete Adolph Zukor die Famous Players mit dem Ziel der picturization von Broadway-Aufführungen, nahm 1913 The Count of Monte Christo auf – und gab das Programm 1913, nach dem Erfolg des italienischen Films Quo vadis?, bereits wieder auf. Gleichwohl blieb der Broadway einer der größten Anreger des amerikanischen Kinos. Die Stücke etwa von Eugene O‘Neill oder Tennessee Williams waren äußerst erfolgreiche Filmstoffe, die Dramaturgie zahlreicher Musicals wurde dort erprobt und ausgearbeitet, und die Anzahl von Stoffen, die auf Aufführungen auf den Broadway und Off-Broadway-Bühnen zurückgehen, sind Legende.
Auch eine ganze Reihe von Broadway-Schauspielern trat in der Filmproduktion auf. Manchmal trauten die Produzenten der Popularität der Bühnenschauspieler nicht; so wurde etwa nicht Julie Andrews, die die Rolle der Eliza Doolittle in der seit Jahren erfolgreichen Bühnenfassung von My Fair Lady spielte, in der Filmversion (1964) verpflichtet, sondern Audrey Hepburn. (Julie Andrews übernahm ein Jahr später die Hauptrolle der Maria in der Filmadaption von The Sound of Music, 1965, nicht etwa Mary Martin, die die Rolle erfolgreich am Broadway spielte.) Derartige Neubesetzungen sind recht oft vorgekommen – Tallulah Bankhead (Bühne) zu Bette Davis in The Little Foxes (1941), Jessica Tandy (Bühne) zu Vivien Leigh in A Streetcar Named Desire (1951), Carol Lawrence (Bühne) zu Natalie Wood in West Side Story (1961) oder Jill Haworth (Bühne) zu Liza Minnelli in Cabaret (1972). Es gab aber auch Fälle, in denen die Bühnendarsteller auch im Film ihre Rollen spielten – wie etwa Patty Duke und Anne Bancroft in The Miracle Worker (1962) das Doppel von blinder Schülerin und Lehrerin auf der Bühne wie im Film spielten.
Zwischen den Broadway-Theatern und Hollywood bestanden von Beginn des Films an auch in personeller Hinsicht intensive Beziehungen. Broadway-Autoren wurden in den 1930ern von den Hollywoodstudios abgeworben und zu Drehbuchautoren umgeschult. Broadway-Schauspieler, die auf der Bühne das Handwerk erlernten, bildeten eine beständige Quelle für die Casting-Agenturen Hollywoods (wie Jason Robards). Manchmal gar wurden Schauspieler mit den Filmfassungen der Broadway-Stücke zu Filmstars – mit Elia Kazans A Streetcar Named Desire (1951), das auf dem Broadway-Stück von Tennessee Williams basierte, wurde Marlon Brando zum Weltstar.


Artikel zuletzt geändert am 14.01.2012


Verfasser: AS


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