Lexikon der Filmbegriffe

Mafiafilm

Alle Arten von organisierten Verbrechersyndikaten – von der italienischen Camorra über die amerikanische Cosa Nostra und (seit den 1990er Jahren) die osteuropäischen Spielarten bis zu den japanischen Yakuza – können eine zentrale Handlungsrolle übernehmen oder auch eine Eigenwelt konstituieren, in der Kriminal- oder melodramatische Geschichten angesiedelt sind. Im Zentrum stehen typischerweise stark ritualisierte Verhaltensmuster, zu deren festen Bestandteilen Erpressung, Korruption, Gewalt, omertà (Schweigen) und vendetta (Rache) gehören, aber auch Wertvorstellungen, die auf einem übersteigerten Ehrbegriff und in der Hochschätzung verwandtschaftlicher Beziehungen fußen. Das Geheimnis, das die reale Mafia umgibt, ist immer eine Geschichte wert. Im Süden Italiens, in einer fremden Welt, die ihre geheimen Infrastrukturen gegen alles stellen kann, was aus dem Norden kommt, und sei es das Recht selbst, spielt eine italienische Spielart des Mafiafilms, die gesellschaftlichen Strukturen als rabiat repressive Herrschaftsverhältnisse anprangernd (wie in Il Giorno della Civetta, Italien 1968, Damiano Damiani, oder in Gomorrha, Italien 2008, Matteo Garrone). In der amerikanischen Diaspora geht es um die Geheimgesellschaft, die nicht nur mit dunklen Geschäften, sondern auch fremden Ehrenkodices und rabiatem Machismus assoziiert ist, mit großem Gangstertum und einer kapitalistischen Wirtschaft „unter“ der offiziellen Wirtschaft, sind Teile des amerikanischen Mafiafilms lokalisiert, von Little Caesar (USA 1930, Mervyn LeRoy) bis zur Trilogie The Godfather (USA 1972-90, Francis Ford Coppola). Vorstellungen von Kapital und Macht, von Fremdheit und Archaismus, von der Unbegrenztheit des Erlebnisses von Gewalt und Macht bilden auch hier zentrale Wertorientierungen aus. Japanische (wie in Hana-Bi, Japan 1997, Takeshi Kitano) und russische Gangster-Organisationen (wie in Eastern Promises, Großbritannien [...] 2007, David Cronenberg) spielen dagegen im westlichen Kino eine nur nachgeordnete Rolle.

Literatur: Larke‑Walsh, George S.: Screening the Mafia. Masculinity, Ethnicity and Mobsters from "The Godfather" to "The Sopranos". Jefferson, NC [...]: McFarland 2010. – Renga, Dana (ed.): Mafia Movies. A Reader. Toronto [...]: University of Toronto Press 2011. – Vorauer, Markus: Die Imaginationen der Mafia im italienischen und US-amerikanischen Spielfilm. Münster: Nodus Publikationen 1996.
 

Referenzen:

mobster

Yakuza-Film


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: PB JH


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