Lexikon der Filmbegriffe

Lichtspielgesetz (1934)

Am 16.2.1934 trat das neue Lichtspielgesetz (LG 34) in Kraft. Es wurde eine Vorzensur eingefügt, die es dem eigens hierzu Beauftragten des Propagandaministers, dem „Reichsfilmdramaturgen“, erlaubte, Filmmanuskripte noch vor der Produktion zuzulassen oder abzulehnen. Der Katalog der Verbotsgründe wurde erweitert. Eine zentrale Filmprüfstelle war vom März 1934 an in Berlin lokalisiert. Prädikate wie „staatspolitisch wertvoll“ und „künstlerisch volksbildend oder kulturell wertvoll“ sollten den Stellenwert von Filmen vor dem Horizont der nazistischen Ideologie markieren; sie waren mit attraktiven steuerlichen Vergünstigungen verbunden. Darum wurde die Prüfstelle kurioserweise zu einem Instrument der Filmförderung.
Die Einteilung der Altersgrenzen wurde neu gegliedert. Kinder unter 6 Jahren durften in Begleitung ihrer Erziehungsberechtigter Filme im Kino sehen; eine neue Alterseinteilung betraf die 14- bis 18jährigen; einzig die 18-Jahres-Grenze wurde aus dem älteren Lichtspielgesetz von 1920 (LG 20) beibehalten. Gerade die Altersbeschränkungen standen von mehreren Seiten in der Kritik. Bewahrpädagogische Initiativen forderten die Wiedereinführung des Kinoverbots für Kinder unter 6 Jahren; die Hitlerjugend wünschte sich eine Erhöhung der Altersgrenze von 18 auf 20 Jahren bei bestimmten Filmen. Strafvorschriften gegen Kinder und Jugendliche, die gegen die Auflagen verstießen, enthielt das Gesetz aber nicht. Und auch Uhrzeiten waren nicht festgelegt. Erst in einer Polizeiverordnung (v. 9.3.1940) wurde es Jugendlichen unter 18 Jahren untersagt, Lichtspieltheater nach 21 Uhr und ohne Begleitung eines Erziehungsberechtigen zu besuchen – im Falle des Verstoßes konnten die Täter mit Geldbußen belegt werden.

Literatur: Das Lichtspielgesetz nebst Durchführungsbestimmungen. Unter besonderer Berücksichtigung der Lichtspielveranstaltungen durch die Ortspolizeibehörden. Zusammengest. u. erl. v. Werner Beuss. Berlin : Lichtbildbühne / Leipzig: Maier 1934 (Handbücherei: Der Film im öffentlichen Recht. 1.). – Das Lichtspielgesetz vom 16.2.1934. Für Fachschul-Lehrgänge. Bearb. v. Günter Sühnhold. München: Deutscher Volksvlg. 1939 (Filmfachbücherei. 1.).


Artikel zuletzt geändert am 29.07.2011


Verfasser: HHM


Zurück