Lexikon der Filmbegriffe

Living Newspaper

engl., = lebende Zeitung

Das Verfahren der „Living Newspaper“ bezeichnet sich eine Form des dramatischen Lehrstücks, das sozialkritisch ausgerichtet war, sich um Aufklärung bemühte und immer von aktuellen sozialen und wirtschaftlichen Problemen erzählte. Es entstand als propagandistische Theaterform in der UdSSR der Revolutionszeit, fand gewisses Echo im epischen Theater Brechts und Piscators und war vor allem die wichtigste Theaterform des Federal Theatre Project, das 1935 im Rahmen der Politik des New Deal ins Leben gerufen wurde; zu seinen wichtigsten Akteuren gehörte der Dramatiker und Produzent Elmer Rice, der fest daran glaubte, dass das Drama ein Instrument sozialer Entwicklung sein könnte. Zumeist in allegorischer Form gehalten, suchten die Stücke auf unmittelbare Interessen und Probleme der Zuschauer einzugehen. Das Projekt, das 1939 unter Kommunismus-Verdacht geriet und seither keine Rolle mehr spielte, ist eine der wichtigsten Ausprägungen eines dokumentarischen Interesses in den US-amerikanischen Künsten, die sich auch im Entwurf eines filmischen Dokumentarismus niederschlug.

Literatur: Brown, Lorraine (ed.): Liberty deferred and other living newspapers of the 1930s Federal Theatre Project. Fairfax, Va. : George Mason University Press 1989. – MacDermott, Douglas: The living newspaper as a dramatic form. Ann Arbor, Mich.: University Microfilms International 1980. Zuerst als Diss., University of Iowa City 1963.


Artikel zuletzt geändert am 29.07.2011


Verfasser: CA


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