Lexikon der Filmbegriffe

Linienführung

Linienführung ist ein Begriff aus der Bildbeschreibung. Dabei geht es um sichtbare Linien im Motiv, vor allem aber  um gedachte Linien, die sich aus dem Arrangement einzelner Bildelemente ergeben (können). In den Linien kommt die graphische Struktur des Bildes zum Vorschein, sie sind es auch, die die Orientierung des Betrachters im Bild ermöglichen oder erleichtern, seinen Blick zu wichtigen Details führen. Dem entspricht auch die Annahme, dass zu viele oder regellos angeordnete Linien zur Verwirrung des Betrachters führen, zur nur fragmentarischen Auffassung des gesamten Bildes. Idealerweise ordnen sich Linien zu Mustern und sind in bestimmten Bildsegmenten zentriert, so dass sich allein auf Grund der graphischen Strukturen so etwas wie Bildzentren herausbilden. Parallelen zu den Bildkanten teilen das Bild in Flächen, wogegen diagonale oder S-förmig gekrümmte Linien die Bildobjekte in der Tiefe des dargestellten Raums anordnen. Oft wird mit der Linienstruktur die Annahme einer eigenen Anmutungsqualität verbunden - Waagerechte korrespondieren dann dem Eindruck von Ruhe und Statik, steigende Diagonale dem von Dynamik, Vertikale dem von Aufstieg und Kraft, Kreise dem von Ruhe und Geschlossenheit; gegenläufige Diagonalen sind mit dem Eindruck von Abstieg und Niedergang assoziiert.
Zu den wichtigsten Prinzipien der Linienführung gehört die Drittel-Teilung des Bildes bzw. der mit Mitteln der Bildteilung beschreibbare Goldene Schnitt. Die Sektorisierung des Bildfeldes in einem allgemeineren Sinne – die graphische Herausarbeitung von Kreisen, Rechtecken, Quadraten und anderen graphischen Formen – bildet den Anwendungsbereich der Idee der Linienführung. Sie spielt darum in allen Kompositionslehren des Fotografischen eine wichtige Rolle.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: AS


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