Lexikon der Filmbegriffe

McGurk-Effekt

Als McGurk-Effekt bezeichnet man die Beeinflussung der Wahrnehmung eines akustischen Sprachsignals durch die gleichzeitige Beobachtung einer Lippenbewegung. Diese audio-visuelle Täuschung gilt als Meilenstein in der Wahrnehmungspsychologie und als Beweis für die Integration von visuellen Eindrücken in die Sprachwahrnehmung. Der motorischen Theorie der Sprachwahrnehmung nach versucht unser Gehirn, alle Signale inklusive der optischen Informationen zu nutzen, um zu erschließen, wie das akustische Signal erzeugt wurde. Da unsere Erinnerung besagt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Lippenbewegung und Lauten gibt, übt die visuelle Information der Lippenbewegung einen großen Einfluss auf die Verarbeitungseinheit für Phoneme in unserem Gehirn aus. Das Sprachzentrum kombiniert offenbar die widersprüchlichen Sinneseindrücke, um sie zu korrigieren und schafft so einen neuen, virtuellen Eindruck.
Werden Filme synchronisiert, entspricht der gesprochene Text oft nicht der Lippenbewegung; dennoch scheint sie halbwegs synchron zu sein, was was sich mit einer Dominanz des Hörens erklären lässt.

Literatur: McGurk, H. / MacDonald, J.: Hearing Lips and seeing voices. In: Nature 246, 1976, S. 746-748. – MacDonald, J. / McGurk, H.: Visual influences on speech perception process. In: Perception and Psychophysics 24, 1978, S. 253-257. – Vatakis, A. / Ghazanfar, A.A. / Spence, C.: Facilitation of multisensory integration by the 'unity effect' reveals that speech is special. In: Journal of Vision, 8, 2008, S. 1–11.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: W JH


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