Lexikon der Filmbegriffe

Mosfilm

auch: Mosfil‘m

Mosfilm entstand als Abteilung des Goskino-Konzerns im November 1923 (andere Quellen nennen den Februar 1924) durch den Zusammenschluss der beiden nationalisierten Filmwerkstätten von Alexandr Khanzhonkov und Ivan Ermol‘ev. 1927 begannen die Bauarbeiten zu einem neuen Studiokomplex in Moskau, der zum 10. Jahrestag der Revolution als Soyuzkino eingeweiht wurde. Seinen jetzigen Namen Mosfilm erhielt das Studio erst 1936, nachdem es 1934 zunächst in Moskinokombinat umgetauft worden war. Während des Krieges wurde das Studio nach Alma-Ata evakuiert (im August 1941); es kehrte erst Ende 1943 nach Moskau zurück. Als Logo diente lange Jahre die monumentale Skulptur „Arbeiter und Kolchosbäuerin“ der Bildhauerin Vera Mukhina, das 1937 entstand; es wurde 1947 in der Komödie Vesna (1947, Grigori Aleksandrov) mit der Volksschauspielerin Lyubov Orlova zum ersten Mal als Firmen-Signet aufgeführt. Bis zum Ende der Sowjetunion wurden bei Mosfilm etwa 3.000 Filme gedreht.
Heute ist Mosfilm (mit Sitz in Moskau) in Staatsbesitz und stellt seine Infrastruktur verschiedenen Filmfirmen und künstlerischen Vereinigungen zu Verfügung, denen neben Aufnahmestudios auch Büros und Spezialeinrichtungen vermietet werden – vom Transport bis hin zu Pyrotechnik. Generaldirektor von Mosfilm ist der Regisseur Karen Shakhnazarov. 2005 umfasste der Konzern zehn unabhängige Studios an 13 Standorten. Pro Jahr werden derzeit etwa 70 Filme produziert, zunehmend in internationaler Koproduktion. Heute werden auch Besichtigungsfahrten durch die Studioanlagen angeboten, wo u.a. 50 historische Automodelle und 130 Panzer ausgestellt sind. In der größten Studiohalle werden jährlich die nationalen Filmpreise vergeben.
Zu den bemerkenswertesten Filmen, die durch Mosfilm produziert wurden, gehören neben den Filmen von Sergei Eisenstein und Aleksandr Dovzhenko Filme von Mikhail Kalatozov (darunter Letyat zhuravli / Wenn die Kraniche ziehen, 1958) und Grigori Chukhrai (darunter Ballada o soldate / Ballade vom Soldaten, 1959), die die Tauwetter-Periode ankündigten, Filme von Michail Romm, Aleksandr Askoldov und Andrei Tarkovsky, in neuerer Zeit Filme von Autoren wie Andrei Konchalovsky, Eldar Ryazanov und Elem Klimov.


Artikel zuletzt geändert am 29.07.2011


Verfasser: W JH


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