Lexikon der Filmbegriffe

Medienfond

Medienfonds sind geschlossene Fonds, mit denen Film- und Fernsehproduktionen finanziert werden. Sie bestehen aus einer Gemeinschaft von Anlegern, die mit ihrem Kapital entweder Filme und/oder TV-Produktionen herstellen (Producer-Fonds) oder mit Filmlizenzen handeln (Leasing-, Lizenz- oder Buyer-Fonds). Die Boomzeit der Medienfonds in Deutschland fiel mit dem Zusammenbruch der New Economy zusammen (ab 2000). Deutschland war zu diesem Zeitpunkt das einzige Land weltweit, das bei Investitionen in Filme über Medienfonds ohne sogenannten local spend (d.h. die Verpflichtung, einen gewissen Prozentsatz im Heimatland der Investoren auszugeben) steuerlich einen Totalverlust im Erstjahr berücksichtigte. Der Erfolg eines Fonds ist abhängig von den tatsächlichen Einspielergebnissen und den anderen Verwertungserlösen der produzierten Filme. Zur Verwertung gehören die Kino-, Video/DVD-Verwertung, der Verkauf der Ausstrahlungsrechte, das Merchandising, die Online-Nutzung und die Auswertung von Nebenrechten (insbesondere Musikrechten). Um das Risiko zu vermindern, sind die meisten Fonds an mehreren Produktionen beteiligt. Viele Fonds werden allerdings für bestimmte Projekte aufgelegt; steht nicht fest, welche Projekte aus dem Kapital des Fonds finanziert werden sollen, spricht man von Blindpool Fonds. Die häufigste Rechtsform für einen Medienfonds ist die heute die GmbH & Co. KG, die GmbH ist dabei persönlich haftende Gesellschafterin.
Ab 2004 gelang es einigen Fondsgesellschaften, Gewinne aus ihren Projekten zu erzielen (Beispiele: Der WiXXer, Männer wie wir, 7 Zwerge – Männer allein im Wald, Terminator 3, Alexander, Kubaner küssen besser). Die Stimmung gegen die „Steuerfluchtpraxis“ hatte aber bereits umgeschlagen: Die Verwaltung präzisierte die steuerliche Behandlung von Medienfonds und erschwerte die Möglichkeit, bis zu 100% Verlustzuweisungen aus Medienfonds zu erzielen (Medienerlass vom 23.2.2001). Die Steuervergünstigung griff nun nur, wenn der Fonds die Eigenschaft eines „Filmherstellers“ hatte, also die wirtschaftliche Verantwortung und die organisatorische Tätigkeit übernahm, die erforderlich sei, um einen Film als fertiges Produkt zu Ende zu bringen. Es war nicht gefordert, dass jeder individuelle Anleger diesen Filmsachverstand mitbringe, sondern die Gemeinschaft der Anleger könne sich zu diesem Zwecke durch ein Gremium (z.B. einen Beirat) vertreten lassen, das mehrmals jährlich zusammentrifft. Diesem Beirat sollten Personen aus der Film- und/oder TV-Branche angehören. Mit einem Gesetz vom 11.11.2005 konnten Fonds, die aufgrund der Verlustzuweisungen steuerlich interessant waren, nicht mehr in der Steuerklärung geltend gemacht werden. Wieviele Gelder in den Jahren vorher in Medienfonds geflossen sind, ist nicht ganz klar. Branchenhinweise sprechen für die Zweit zwischen 1998 und 2005 von mehr als 100.000 Anleger rund 5,5 Milliarden Euro in leasingähnlichen Filmfonds ein, außerdem ca. 160.000 Anleger, die sich insgesamt 8,7 Milliarden Euro in Medienfonds investierten. Heute ist die VIP-Gruppe mit über 1 Milliarde US-$ Umsatz als größter BRD-Filmfonds herausgebildet (Stand: 2008).


Artikel zuletzt geändert am 29.07.2011


Verfasser: HHM


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