Lexikon der Filmbegriffe

Amnesie

Das Motiv der Amnesie ist eine Familie narrativer Strukturen, die um den Gedächtnisverlust gruppiert sind. Dabei lassen sich zwei große Gruppen von Geschichten unterscheiden: (1) Der Gedächtnisverlust wird als Defekt oder gar als Schädigung der Person aufgefasst, so dass die Behebung zugleich eine Wiederherstellung einer als ursprünglich und vollständig erlebten Person ist; derartige Geschichten basieren oft auf der Psychoanalyse des Gestörten und lösen die Hemmung der Erinnerung im analytischen Prozess. (2) Das Erinnerte ist ein Verbrechen, so dass seine Aufdeckung Teil eines detektivisch-kriminalistischen Geschehens ist; möglicherweise ist dabei die Amnesie durch Hypnose ausgelöst worden, so dass der amnestische Täter gar nicht schuldfähig ist.

Literatur: Kirste, Katja: Blackout und Tabula rasa: Zur Funktion des Amnesie-Motivs im filmischen Erzählen. In: All-Gemeinwissen. Kulturelle Kommunikation in populären Medien. Hrsg. v. Hans Krah. Kiel: Ludwig 2001, S. 169-193. – Nochimson, Martha P.: Amnesia 'R' Us: The Retold Melodrama, Soap Opera, and the Representation of Reality. In: Film Quarterly 50,3, 1997, S. 27-38.


Artikel zuletzt geändert am 16.07.2011


Verfasser: JH


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