Lexikon der Filmbegriffe

Hypertext

Hypertext ist ein von Ted Nelson 1965 geprägter Begriff, der alle in HTML (Hyper-Text-Markup-Language) verfassten Texte bezeichnet. In seinem Xanadu Hypertext System hat er als einer der ersten versucht, das Hypertextkonzept technisch umzusetzen. Douglas C. Engelbart präsentierte sein oN Line System (NLS) 1968 auf der Fall Joint Computer Conference – es war das erste, das die internen assoziativen Strukturen der geforderten „Hypertexte“ maschinengängig realisierte. Das wichtigste hypertextuelle System der Informationsdarstellung ist das World Wide Web. Modellhafte Vorstellungen des Hypertexts werden aber auch zur Modellierung des Wissens und des Gedächtnisses angewendet.
Hypertexte sind Informationsräume (hyperspaces), die anders als lineare Formen das Wissen, das sie repräsentieren, als Gewebe (web) oder Netzwerke (network) darstellen. Es handelt sich um ‚Informationsbrocken‘ (hier meist Knoten = nodes, vielfach auch hyperlinks genannt), die miteinander verknüpft sind, wobei die Verknüpfungen die logischen oder semantischen Ordnungen zwischen den Informationsteilen bezeichnen, also nicht leer, sondern möglicherweise selbst gefüllt sind. Hypertext-Strukturen, die in vielem an enzyklopädische Strukturen oder auch an semantische Netzwerke erinnern, wie sie z.B. Zettelkästen erschließen, erlauben – weil sie die Aufnahme auch nichtsprachlicher Informationen gestatten – die Darstellung und auch Produktion außerordentlich reichhaltiger und flexibler Dokumente (wie z.B. Drehbücher). Die Modelle hypertextueller Ordnungen gehen auf Überlegungen eines assoziativ verfahrenden information retrieval aus den 1940ern zurück, das zunächst mit der Indizierung einzelner Informationsteile arbeitete. Heute werden die oft schnell unübersichtlich werdenden Informationsräume meist grafisch aufbereitet, wobei die netzwerkförmige und daher nicht hierarchisch präsentierbare Struktur eines Hypertextes deutlich zum Ausdruck kommt. Für die Navigation in Hypertexten erweist sich aber eine partielle Hierarchisierung in verschiedene informationelle Bereiche meist als nützlich.

Literatur: Bush, Vannevar: As We May Think. In: Atlantic Monthly, 176, July 1945, S. 101-108. – Nielsen, Jakob: Multimedia and Hypertext. The Internet and Beyond. Boston, Mass. [...]: Academic Press 1995, bes. 33-66. – Krameritsch, Jakob: Geschichte(n) im Netzwerk. Hypertext und dessen Potenziale für die Produktion, Repräsentation und Rezeption der historischen Erzählung. Münster [...]: Waxmann 2007 (Medien in der Wissenschaft. 43.).

Referenzen:

Digital Storytelling


Artikel zuletzt geändert am 22.08.2011


Verfasser: JH


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