Lexikon der Filmbegriffe

Huangmei diao

auch: Huángméidiào; aus chines.: Huangmei = Gelbe Pflaume(n)(-Land) + diào = Ton, Melodie; wörtlich eigentlich: „Gelbe-Pflaumen-Melodie“; bezeichnet das Huangmei-(Film-)Musical, eigentlich Huangmei-Oper oder Huangmei-Drama (chines.: Huángméixì), benannt nach der südostchinesischen Region Huangmei (heute Huángméi Xiàn in der Provinz Hubei)

Die Huangmei-Oper entstand im 18. Jahrhundert aus gesungenen Theater-Dramatisierungen noch älterer, populärer Teepflücker-Folklore aus der Region Huangmei. Filmische Musical- bzw. Operetten-Adaptionen bildeten ein eigenes kleines Genre des chinesischen Films mit ca. 30 Werken heraus, das in den späten 1950er Jahren aufkam (Kao Lis Diau Charn von 1957/58, der erste Farbfilm aus den Studios der Shaw Brothers in Hongkong, sowie Han-hsiang Lis Jiang Shan Mei Ren [aka: The Kingdom and the Beauty] von 1958/59) und das in den frühen 1960er Jahren seine Blütezeit erlebte. Zum bekanntesten Huangmei-Musicals wurde die in Taiwan wirtschaftlich überaus erfolgreiche Shaw-Brothers-Produktion Liang shan bo yu zhu ying tai (aka: The Love Eterne, Hongkong 1963, Han-hsiang Li). Die Besonderheit, die männlichen Hauptrollen mit weiblichen Singstimmen (so Ivy Ling Po, Ting Tsin, später Brigitte Lin) zu besetzen und so zusätzlich einen Unterton sexueller Ambivalenz anzuschlagen, trug nicht unwesentlich zum Ruhm der Schauspielerinnen bei und stärkte zusätzlich die Popularität des lyrisch gestimmten, melodramatischen Genres. The Love Eterne, ein Film, dessen modernisierte, im zeitgenössischen Studentenmilieu angesiedelte Romeo-und-Julia-Thematik sich gegen die in China noch üblichen Zwangsheiraten wendet, bediente die romantisch-patriotischen Gefühle der zahlreichen nach Taiwan exilierten Festlandchinesen und bot ihnen eine Möglichkeit zu eskapistischen Träumereien in einer Zeit real wachsender Kriegsgefahr. In den späten 1960er Jahren gelangte das oft historisierende und kostümierende Genre mit Feng Yuehs San Xiao (aka: The Three Smiles, 1969, ebenfalls aus den Studios der Shaw Brothers) zu einem vorläufigen Ausklang. Umstritten bleibt, ob Han-hsiang Lis Jin Yu liang yuan hong lou meng (aka: The Dream of the Red Chamber) von 1977 als Versuch gewertet werden darf, das Genre der Huangmei-Oper wiederzubeleben.

Literatur: Chen, Yeong-Rury: A Fantasy China: An investigation of the Huangmei opera film genre through the documentary film medium. Diss. Melbourne: Swinburne University of Technology 2006 [Text + DVD-Doku]. – Tan, See-Kam: Huangmei opera films, Shaw Brothers and Ling Bo: Chaste love stories, genderless cross-dressers and sexless gender-plays? In: Jump Cut: A Review of Contemporary Media 49, Spring 2007 . – Yeh, Emilie Yueh-yu: From the Shaw Brothers to grand motion picture: localisation of Huangmei Diao Films. In: Wong, Ain-ling (ed.): Li Han-Hsiang, storyteller. Hongkong: Hong Kong Film Archive 2007.

Referenzen:

Kostümfilm

Melodrama

Musical

Opernverfilmung


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: LK


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