Lexikon der Filmbegriffe

Hydrotopie

auch: Hydrotype

(1) Andere Bezeichnung für den Imbibition-(Technicolor-)Druckprozess. Der Begriff Hydrotypie bedeutet „Wasserdruck“ und wurde erstmals 1888 vom französischen Farbfotopionier Charles Cros für ein Verfahren zur Herstellung farbiger Aufsichtsbilder benutzt.

(2) Hydrotypie war auch der Name des seit 1936 und wieder in der Nachkriegszeit in der UdSSR ausgeübte Verfahrens zur Herstellung von Filmkopien ähnlich dem Technicolor-Druckprozess. Es unterschied sich aber von diesem durch die Benutzung von Quellreliefs statt Auswaschreliefs zur Übertragung der drei Farbstoffe auf einen Blankfilm. Ein Quellrelief ist eine bildmäßig gegerbte Gelatineschicht (sog. Matrizenfilm), deren weiche, beim Aufkopieren von Farbauszügen unbelichtete Stellen in wässrigen Lösungen stärker aufquellen als die gehärteten (belichteten) und so wässrige Farbstoffe aufnehmen. Eine Variante davon war das Mersin-Verfahren. Vor 1945 wurden die Aufnahmen mit Strahlenteilerkameras (CKS-1 und CKS-2) ähnlich der Technicolor-Kamera gemacht. 1940 war das Mosfilm-Studio, Moskau, mit einer Hydrotypie-Kopieranstalt ausgestattet; Spielfilme blieben infolge des Krieges jedoch unvollendet. Ab 1946 wurden das Verfahren verbessert und Anfang der 1970er Jahre eine Großkopieranlage in Leningrad eingerichtet. Dann ging man von Farbauszügen nach Farbnegativfilmen aus.

Literatur: Koshofer, Gert: Color. Die Farben des Films. Berlin: Spiess 1988, S. 85.


Artikel zuletzt geändert am 30.07.2011


Verfasser: GK


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