Lexikon der Filmbegriffe

Juxtaposition

von lat. iuxta ‚dicht daneben‘ und positio ‚Stellung‘, ‚Lage‘

Wenn Elemente des filmischen Ausdrucks so im Verhältnis zueinander gebraucht werden, dass ihre Koordination anders ist als normalerweise, und wenn diese Abweichung zugleich expressiv ist, spricht man von Juxtaposition. Dabei lassen sich zwei Typen unterscheiden: (1) die „Gegenüberstellung“, wenn die Kombination der Elemente Konflikte, Widersprüche oder Brüche darzustellen versucht, (2) die „Nebeneinanderstellung“, wenn es darum geht, assoziative Netzwerke durch pure Koordination von Elementen des Netzes wachzurufen, (3) den „Vergleich“, wenn miteinander konfrontierte Elemente Abstraktion hervortreiben sollen, indem vom Konkreten des Bildes auf das Allgemeinere des Gedankens fortgeschritten wird. Oft werden die Leistungen, die die Juxtaposition eröffnet, als elementare Effekte der Montage angesehen. Im weiteren Sinne fußen nämlich auch die Kontinuitätseffekte auf der Nebeneinanderstellung des Materials.
Juxtapositionen können mit verschiedenen Mitteln vorgenommen werden: (1) durch die Montage des visuellen Materials; wenn z.B. Aufnahmen von Streikenden mit Aufnahmen von Vieh in einem Schlachthof kontrastiert wird, entsteht das Bild einer bösen Analogie; (2) durch das Konfrontieren einzelner Aufnahmen oder Elemente von Bildern; so lassen sich Farbräume als soziale Räume – der Raum der Gangster, der Raum der Bürger – einander entgegenstellen; (3) durch die De-Koordination des Visuellen und des Auralen; dabei entstehen oft ironische Kontraste, etwa wenn zu Bildern von Polizeiaufmärschen „We Shall Overcome“ gesungen wird; (4) durch die Zeit- und Realitätsbehandlung; es können also verschiedene Zeit- und Realitätsebenen einander kontrastiert oder parallelisiert werden, ohne dass sie kausal etwas miteinander zu tun hätten; (5) simultane Darbietung der Elemente als split screen usw.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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