Lexikon der Filmbegriffe

Kabarett

Ein dem Thematermilieu ähnliches Motiv sowie Schauplatz und Institution gleichermaßen: Kleinkunstbühne, auf der Chansons, Gedichte, Balladen und Conférencen, aber auch Pantomimen, Gesangs- und Tanz-Nummern vorgetragen werden. Der Tonfall ist meist humoristisch-satirischer Art, häufig entschieden politisch und hat eine Tendenz zu (harscher) Gesellschaftskritik. Die Inhalte sind in der Regel pointiert und komprimiert, reagieren meist auf die aktuelle Tagespolitik und können frivole bis derb-erotische Einlagen haben. Die oft temporeiche formale Gestaltung bedient sich bei Parodie, Satire, Groteske, Klamauk sowie Travestie; musikalische Formen sind Chanson, Couplet und Song. Das ganze Programm eines Kabaretts folgt einer Nummern-Dramaturgie. Gelegentlich haben Filme das Kabarett als Modell für ganze Texte benutzt. Ein Extremfall ist Bob Fosses Cabaret (USA 1972), der Auszüge aus einer Dreiecksgeschichte erzählt, die immer wieder unterbrochen und kommentiert werden durch Szenen aus einer schrillen, obszönen und zynischen Kabarettshow.
Im deutschen Sprachgebrauch wird oft zwischen ‚Kabarett‘ und ‚Cabaret‘ unterschieden, wobei letzteres nightclubmäßiges, in der Regel schlüpfriges Entertainment für Männer (Table-Dance, Striptease u.ä.) meint; im Englischen und Französischen wird dieser begriffliche Unterschied (samt seinen inhaltlichen Konsequenzen) so nicht gezogen.

Beispiele: Freiliche Kaptsonim (Polen 1937, Zygmunt Tukow); Der Apfel ist ab (Deutschland 1948, Helmut Käutner); Berliner Ballade (Deutschland 1948, R.A. Stemmle); Genosse Münchhausen (BRD 1961, Wolfgang Neuss).

Literatur: Stock, Walter (Komp.): Kabarett und Film. Gegenüberstellung und Verbindung zweier Kunstformen. Gerolzhofen: Landesarbeitsgemeinschaft der Jugendfilmarbeit und Medienerziehung (LAG) Bayern 1984.


Artikel zuletzt geändert am 31.07.2011


Verfasser: PB


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