Lexikon der Filmbegriffe

money shot

(1) Filmische Repräsentation der Spannungslösung beim sexuellen Höhepunkt: Ursprünglich euphemistisch-vornehme, in der Sexindustrie verwendete Variante für den Ausdruck cum shot (bzw. come shot), mit dem Nahaufnahmen von Orgasmen und das Verspritzen von Sperma im Pornofilm gemeint sind. Zuerst von Steven Ziplow in The film maker's guide to pornography (New York 1977) terminologisch erfasst. Da nach vorherrschender Meinung der Produzenten derartiger Filme die Zuschauer solche Szenen unbedingt sehen wollen und deswegen diese Filme kaufen oder besuchen, verdient die Pornofilmindustrie mit der Produktion von money shots ihr Brot. Im Laufe der Zeit wurde der Ausdruck allerdings metonymisch auf exploitativ nutzbare Situationen aller Art übertragen, insbesondere auf solche mit hohem emotionalen Schlüsselwert. Daher wird dann metanarrativ der money shot selbst thematisiert, so bereits in The Money Shot (USA 1996, Matthew Mailer), in dem ein erfolgloser Filmemacher seine Karriere durch Lebensbeschreibungen New Yorker Straßenkinder aufpolieren will. Und die amerikanische TV-Serie The Money Shot (aka The Money $hot): The Series. A Dark Comedy About the Business Side of the Adult Business (2000) führt ihr Konzept bereits im Untertitel.

Literatur: Williams, Linda: Hard core: power, pleasure, and the “frenzy of the visible”. 2. Aufl. Berkeley/Los Angeles/London: University of California Press 1999, S. 92-119.

(2) (einzelfilmbezogener) emotionaler Schlüsselmoment beim Betrachter; erweitert: dramaturgisch relevanter emotionaler Höhepunkt bei TV-Talkshows.
Mit money shot bezeichnet die englisch-australische Filmwissenschaftlerin Jane Mills jenen speziellen Moment, der den Zuschauer mit einem Film „vereint“, ihn zum Liebhaber und Komplizen macht und ihn so immer wieder erneut ins Kino zwingt, um das Produkt seiner Begierde erneut zu betrachten. Einen anderen Schritt in der Definitionsgeschichte des Ausdrucks macht die amerikanische Medienwissenschaftlerin Laura Grindstaff, wenn sie ihn als Kriterium für den Erfolg von Talkshows anwendet und an – dramaturgisch ersehnte, für den Zuschauer aber trotzdem unerwartete und überraschende – Kontrollverluste und heftige Emotionsschübe von Gästen bindet.
Inzwischen wird von money shot – seiner sexuellen Bedeutungskomponente entledigt – im publizistischen Jargon der Wirtschaft metaphorisch im Sinne eines Äquivalents für „zündende Idee, die Profit bringt“ gesprochen.

Literatur: Mills, Jane: The money shot. Cinema, sin, and censorship. Annandale, NSW: Pluto Press 2001. – Grindstaff, Laura: The money shot. Trash, class, and the making of TV talk shows. Chicago: University of Chicago Press 2002.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: LK


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