Lexikon der Filmbegriffe

Montagetheorie

„Montage“ in einem theoretischen Sinne beschreibt die Leistungen, die das Aneinanderfügen von Bildern im Aufbau des Films als Werk, als Kommunikationsmittel, in der Rezeption etc. hat. Die Koordination mit der Erzählung bildet in der Regel den sinnhaften Rahmen – die Montage ist dann dem Vorgang des Erzählens untergeordnet (man erzählt einen Film, indem man ihn montiert).
Wie groß das Feld der montierenden Tätigkeit beim Film ist, ist seit Wertows Programmatik umstritten: Für ihn ist Montage die „Organisation der sichtbaren Welt“ und spielt damit in allen Phasen der Filmproduktion eine Rolle – von der „Montage während der Beobachtung“ bis zur „eigentlichen Montage“ der Filmstücke im Schneideraum. Dagegen setzt für viele andere die Montage erst mit der Bearbeitung des Materials ein. Es bietet sich an, ein weites und ein enges Verständnis von „Montage“ zu unterscheiden: Durch Fragmentation (découpage) der profilmischen Realität in eine Anzahl von einzelnen Aufnahmen erhält man das Ausgangsmaterial von Bildern, die bei der Montage im engeren Sinne, also bei der Zusammenfügung von Aufnahmen, zu Ganzheiten der Aussage kombiniert werden.
Eine andere Frage ist, ob das Material in einen kontinuierlichen Zusammenhang gebracht wird oder ob es die Brüche und Kontraste sind, die Bedeutungen hervorrufen: Pudowkins Auffassung war eher an Kontinuität orientiert, die einzelnen Einstellungen greifen ineinander wie die Glieder einer Kette. Die Montage ordnet sich dabei der Erzählung unter. Die Bilder der Folge sind wie Frage-Antwort-Ketten zu denken – das erste Bild wirft eine Frage auf, die vom zweiten beantwortet und in eine zweite Frage übergeleitet wird. Dagegen steht das Konzept der „Kollision“ der einzelnen Einstellungen bei Eisenstein, die er als „Zellen“ ansieht, die in der Montage zu höheren organischen Ganzheiten zusammengefügt werden: Hier hat man es mit einem dynamischen Neben- und Gegeneinander verschiedener Einstellungen zu tun, das die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich selbst lenkt und ihn dazu anregt, bewusste Schlussfolgerungen zu ziehen. Der Aufbau von Konflikten und Kontrasten wird in ein dialektisches Verhältnis der einzelnen Einstellungen umgesetzt.
Montage ist gleich mehrfach mit der Erzählung verwoben: Sie folgt oft den Blicken von Filmfiguren und kann so zur Subjektivierung (und Psychologisierung) des Geschehens (und der Erzählung) beitragen. Sie dient dazu, das Geschehen zu dramatisieren und Spannung zu erzeugen. Sie hilft dabei, Details hervorzuheben und anderes zu unterdrücken. In allen diesen Formen manifestiert sich in der montierten Sequenz eine „textuelle Instanz“, ein „impliziter Erzähler“, der den Bilder- und Informationsfluss steuert und so mit dem Zuschauer interagiert.

Referenzen:

Montage

Obertonmontage


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: BH HJW


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