Lexikon der Filmbegriffe

Kriegsdrama

engl.: war drama; manchmal auch: war melodrama

Eine wichtige Spielart des Kriegsfilms ist das war drama, das gegenüber dem schlachten- und actionorientierten Kriegsfilm in eher melodramatischen Handlungen und Konflikten die individuellen und sozialen Folgen des Krieges auszuloten versucht. Immer ist der Krieg eine Lebenskondition, die die Bedingungen des Lebens festlegt und dabei die Beteiligten in tiefe emotionale und moralische Konflikte stürzt, möglicherweise sogar nach den Konditionen der menschlichen Existenz selbst fragt. Oft wird das Gegenüber von Front und Heimat als topographische Formel des war drama angesehen (wobei manche Filme wie The Deer Hunter, 1978, an beiden Orten spielen). Ein Teil der Filme spielt unmittelbar an der Front oder in ihrer unmittelbaren Nähe (wie All Quiet on the Western Front, 1930) und zeigen, wie Soldaten oder Sodatengruppen sich mit den Schrecken von Tod und Zerstörung auseinandersetzen; einige Filme schildern die Erlebnisse einzelner Soldaten von Beginn des Krieges über die Phasen der Gefangenschaft bis hin zu Heimkehr oder Tod (Ningen No Joken / dt.: Barfuß durch die Hölle, 3 Teile 1960; So weit die Füße tragen, dt. TV-Mehrteiler 1959). Manche dramatisieren das Kriegsgeschehen und die moralische Gefangenheit der Figuren als Kriegsgerichtsverhandlungen (Paths of Glory, 1957; King and Country, 1964) und zeigen dabei die rücksichtslose und unmenschliche Macht von Disziplin und Gruppenräson. Eine große Gruppe von war dramas spielt an der Heimatfront – Mrs. Miniver (1942), The Best Years of Our Lives (1946) oder auch Hope and Glory (1987) – und fragt nach den Zerstörungen ziviler Lebensformen, aber auch nach den Anpassungen, die Menschen an die Allgegenwart der Kriegshandlung vollbringen. In diese Gruppe gehören auch die meisten der Filme, die nach den Auswirkungen des Films auf die Liebe fragen (Casablanca, 1942; Le dernier Métro, 1980), die den moralischen, sozialen und psychologischen Implikationen des Widerstands gewidmet sind (L‘Armée des Ombres, 1969; Het Meisje met het rode Haar, 1981) oder auch den aberwitzigen Zerstörungen des Sozialen bei Verfolgung und Vernichtung (The Pianist, 2002; die verschiedenen Verfilmungen des Anne-Frank-Tagebuchs).

Literatur: Vonderau, Patrick: Krieg im Kino. Aufriß eines Problemfeldes. In: Krieg und Medien. Verantwortung zwischen apokalyptischen Bildern und paradiesischen Quoten. Hrsg. v. Petra Grimm u. Ralph Capurro. Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2004, S. 97-106.

Referenzen:

war drama


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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