Lexikon der Filmbegriffe

Körpertausch

engl.: body swap, body switch; manchmal auch: soul switch

Die gleiche Seele im anderen Körper: Gegenüber anderen Motiven, die den Rollenwechsel entweder als Verkleidung nach dem Muster von Tootsie (1982) realisieren oder die die „andere Identität“ als einen zeitweiligen Wechsel der Seele in einen anderen Zustand (wie im Jekyll/Hyde-Motiv oder auch bei Monkey Business, 1952) darstellen, wobei die zweite Figur oft nur eine verdeckte oder verdrängte andere Facette des ursprünglichen Charakters ist, treten spätestens in den 1980ern tatsächliche Auflösungen der Leib-Seele-Einheit auf. Es entstehen dabei synthetische Figuren, in denen der jeweilige Geist sich an die Konditionen des anderen Körpers neu adaptieren muss. Als Adaptionsthemen werden neben den Altersrollen vor allem die Geschlechtsrollen verhandelt – die allgemeinere Genderthematik findet so auch im populären Kino Niederschlag in einem ganzen Motivkreis.
Eigentlich sind die Körperwechsel-Filme Märchen-, manchmal auch Fantasyfilme. Eine natur- oder ingenieurwissenschaftliche Erklärung des Vorgangs bleibt meist aus, bleibt auf phantastischem Niveau stehen. Einzig die Geschlechtsumwandlung scheint ein Motiv zu sein, das auch realistische Züge annehmen kann. Die Körpertauschgeschichte Switch (1991, Blake Edwards) erzählt ähnlich von einem Macho, der erst dann in den Himmel kommen, wenn es ihm gelingt, binnen vier Wochen jemanden sich so gewogen zu machen, dass er „Ich liebe dich!“ zu ihm sagt; aber: er muss diese Gunst im Körper einer Frau erregen; alle machistischen Verhaltensweisen erweisen sich als unangepasst und erregen eher Abwehr als Zuneigung; wie in einem Umkehrspiegel werden Charakteristiken des jeweils „Anderen“ lesbar. Sind es bei Switch die Geschlechterrollen, tauschen in Vice Versa (USA 1981, Brian Gilbert) Vater und Sohn, in Freaky Friday (USA 1977, Gary Nelson) Mutter und Tochter ihre Seelen, Kindlichkeit und Erwachsensein geraten in offene Konflikte. Noch interessanter ist The Watermelon Man (USA 1970, Melvin van Peebles), in dem ein bigotter Weißer eines Morgens als Schwarzer wieder aufwacht (kurioserweise spielt der schwarze Schauspieler Godfrey Cambridge beide Rollen!).

Filmographie: Un Angel volo sobre Brooklyn (Der Hund, der „Herr Bozzi“ hieß, Spanien/Italien 1957, Ladislao Vajda) über einen hartherziger Hausbesitzer, der zur Strafe in einen Fleischerhund verwandelt wird. – The Incredible Mr. Limpet (USA 1964, Jameson Brewer): Ein Mann wird in einen Fisch verwandelt, weil er Fische liebt, und er verliebt sich als Fisch in einen anderen Fisch. Außerdem hilft er der US-Marine, Nazi-U-Boote zu finden. Teilweise animierter Kinderfilm. – Rendez-moi ma Peau... (Gib mir meine Haut zurück!, Frankreich 1980, Patrick Schulman): Eine Hexe vertauscht die Seelen eines jungen Paares.


Artikel zuletzt geändert am 31.07.2011


Verfasser: HJW


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