Lexikon der Filmbegriffe

Konfektionskomödie

Konfektion ist die serienmäßige Herstellung von Kleidung bzw. Kleidungsstücken. Diese florierte in den späten Jahren des deutschen Kaiserreichs und in der Weimarer Republik. In der Hauptstadt Berlin wusste die aufstrebende Filmindustrie moderne Mode für elegante filmische Inszenierungen zu nutzen, und die Hersteller von Bekleidung freuten sich über diese zusätzliche Produktwerbung. 1930 schrieb Kurt Tucholsky (als Peter Panther) von der „zünftigen Konfektionskomödie“ und meinte damit einen Spielfilm aus der Welt der Mode und ihrer Herstellung ganz im Sinne eines „modernen Milieustücks“, das innerhalb einer ganz bestimmten Branche angesiedelt ist. Frühe Beispiele sind etwa Filme von Ernst Lubitsch wie Schuhpalast Pinkus (1916), Der Blusenkönig (1917) und Meyer aus Berlin (1919).


Der Ausdruck wird manchmal – und fälschlicherweise – mit ‚Konfektionsfilm‘ im Sinne Rudolf Arnheims gleichgesetzt und meint dann eine inhaltlich wie handwerklich anspruchslose Unterhaltungskomödie im Sinne von ‚Konfektionsware‘. Auch Gleichsetzungen mit dem historisierenden Kostümfilm finden sich gelegentlich. 


Literatur: Ganeva, Mila: Weimar film as fashion show: ‚Konfektionskomödien‘ or fashion farces from Lubitsch to the end of the silent era. In: German Studies Review 30, 2007, S. 288-310. – Weinstein, Valerie: Anti-semitism or Jewish ‚camp‘? Ernst Lubitsch's Schuhpalast Pinkus (1916) and Meyer aus Berlin (1918). In: German Life and Letters 59, 2006, S. 101-121.
 

Referenzen:

Konfektionsfilm

Kostümfilm

Milieukomödie


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: LK


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